Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
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Aufenthalt war ein ſeit Jahren von Friedrich begehr⸗ tes und glühend erſtrebtes Ereigniß, und jetzt, da es ſich ſeiner Erfüllung nahte, zitterte der König faſt da⸗ vor, wie vor einem Schreckniß, fühlte er ſein Herz beklemmt und faſt kummervoll. Was bedeutete das? Wie kam es, daß dieſe Freundſchaft, die man ſich ſeit ſechszehn Jahren ſo vielfach betheuert, ſo excentriſch und begeiſterungsvoll einander gelobt hatte, jetzt an dem Ziele ihrer Wünſche angelangt, dennoch den König nicht befriedigte, ſondern ihn mit einem eiſigen Hauche des Todes und der Vernichtung anwehte?

Der König, wie ſehr er immer auch von Bewun⸗ derung und Anbetung für das Genie des großen fran⸗ zöſiſchen Dichters Voltaire durchdrungen war, der Kö⸗ nig fühlte doch, daß dieſe Bewunderung dem Menſchen Voltaire vielleicht ſchaden könnte, weil dieſer derſelben nicht genügen möchte. Er ahnte, daß die Wirklichkeit und das tägliche Zuſammenſein ſich wie ein erkältender Mehlthau auf dieſe ſeltene Wunderblume einer Freund⸗ ſchaft zwiſchen dem König und dem Dichter legen könnte, einer Wunderblume, welche man ſo viele Jahre der Trennung mit glühenden Betheuerungen und feu⸗ rigen Erklärungen genährt und erwärmt hatte, und die man jetzt aus dieſem Treibhauſe des imaginairen und brieflichen Lebens an die Wirklichkeit und zur Wahrheit verpflanzen wollte. Und doch fehlte dieſer Freundſchaft ſchon das Fundament der Wahrheit und Wirklichkeit, doch hatte ſie keinen Boden mehr unter ſich, ſondern ſchwebte wie ein ſchillerndes Phantom in der Luft, wie eine köſtliche Fata Morgana, deren glän⸗

zende Tempelhallen und Säulen bald wieder in Nebel und Duft zerfließen ſollten!

Und in dieſen Tempelhallen der Fata Morgana wollten die beiden größten Geiſter, die beiden vorur⸗