— 12—
Sire, weshalb wollen wir vom Sterben reden? Wes⸗ halb die heiligen und lächelnden Geiſter der Griechen und Römer, welche ihren neueſten Tempel, welche Sans⸗ ſouci umſchweben, beunruhigen, indem wir ihnen das Knochengerippe mit der Hippe entgegenſtellen?
Sie haben Recht, Marquis! Fort mit dem eklen Geſpenſt; noch gehört uns das Leben! Ah, und ein ſchönes Leben ſoll das werden! Als gelehrige Schüler wollen wir zu den Füßen Voltaire's ſitzen, und von ihm lernen, wie man mit einem Satyrslächeln ſich den
Schmerz verſcheuchen und mit ächter Dichterbegeiſte⸗
rung ſich das Leben zum Paradieſe lügen kann! Er⸗ zählen Sie mir jetzt weiter von den großen Neuig⸗ keiten, die Sie mir aus Berlin mitgebracht haben. Nun, Sire, Voltaire iſt nicht der einzige Stern, welcher über Berlin aufgegangen iſt. Es giebt da auch noch Kometen, welche zuweilen am Himmel leuch⸗ ten, dann eine Zeitlang verſchwinden, dann aber am Himmel wieder emporleuchten, um auf's Neue Unfug, Zwiſt und Krieg auf Erden zu verbreiten. Ich fürchte, daß der Komet, welcher jetzt in Berlin wieder aufge⸗ gangen, ſehr viel Zank und Aerger bringen wird. Der König heftete ſeine großen feurigen Augen mit einem durchbohrenden Ausdruck auf das Antlitz des
ihres Bruders, der dieſen Moment förmlich belauert hätte, ſich an das Bett des Sterbenden begeben, und ihm die letzte Oelung gege⸗ ben.„Ach, Sire, fügt ſie hinzu, welch ein Land iſt dies! Man geht ſo weit, mir zu ſagen, daß der größte Dienſt, den ich meinem Gatten erzeigen könnte, der wäre, Alles zu verbrennen, was von ſeinen Schriften noch übrig ſei, und auch die Gemälde, welche er mitgebracht, den Flammen zu übergeben. Denn je mehr man Sündhaftes hier auf Erden verbrenne, deſto weniger müſſe man ſelber in der Hölle brennen ꝛc.“ Oeuvres posthumes. Vol. XII. pag. 316. 4 Mühlbach, Berlin u. Sansſonci ꝛc. IV. 2


