ein genütendes Diplom, um Demjenigen, welchem es inne wohnte, das Prädikat„hoffähig“ zu verleihen, und wenn der König, um dieſes Diplom für jedes
o ſo blöde Auge ſichtbar zu machen, dem Genie
noch außerdem gern ein Adelswappen und eine Gra⸗ fenkrone umhing, ſo wollte er vielleicht dadurch nicht ſo ſehr das Genie, als ſeine Edelleute ehren, denen er die Leute von geiſtigem Adel und geiſtiger Größe als Ihresgleichen zuführte.— So hatte er den geiſt⸗ reichen Algarotti zum Grafen, den witzigen, feinbeob⸗ achtenden Herrn von Bielfeld zum Baron, den mu⸗ thigen, geiſtvollen Chazot zum Grafen erhoben, ſo endlich hatte er Voltaire den Kammerherrnſchlüſſel geſandt, damit der Etiquette Genüge geſchähe, und die Freunde Friedrichs, des Philoſophen von Sansſonci, auch die Genoſſen und Geſellſchafter des Königs von Preußen in ſeinen prachtvollen Schlöſſern, und in⸗ mitten der königlichen Prinzen und Prinzeſſinnen und ſeines hohen Adels ſein dürſten.
Von all dieſen Vorurtheilen und Berechnungen wußte der König nichts mehr, ſobald er ſein Sans⸗ ſonci betrat. Da wollte er vergeſſen, daß er der Kö⸗ nig ſei, da geſtattete er das ſogar ſeinen Freunden, vorausgeſetzt nur, daß ſie ſich immer der Achtung und Berückſichtigung erinnerten, welche man dem Manne von Genie und großer Begabung ſchuldig iſt. Frei⸗ lich hatten Manche ſeiner Freunde dieſes Privilegium und dieſe Freiheit, welche der Philoſoph von Sans⸗ ſouci ſeinen Gäſten geſtattete, gemißbraucht, und Fried⸗ rich hatte dann wider ſeinen Willen ſich genöthigt ge⸗ ſehen, mit dem zornigen und gebieteriſchen Blick eines
— Fnigs die allzuvertrauliche Zudringlichkeit, und die
rückſichtsloſe Ungenirtheit ſeiner Genoſſen in
Dichtern beſtand. Das Genie war für Friedrich i mmer


