Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1857)
Entstehung
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frei erhalte; ich will nicht, daß es eines Tages mich einen ſchlechten und ſaumſeligen Beamten nennen ſoll, ich will ihm dienen mit meinem ganzen Leben und meiner ganzen Kraft! Aber hier, Freund, hier in meinem Kloſter, das wie die Karmeliterklöſter niemals von einem weiblichen Fuß ſoll entweiht werden, hier wollen wir zuweilen das Königthum und all' das eitle Flitterwerk vergeſſen, und hier auf meinem Weinberg will ich nicht der König ſein, ſondern nur der Freund und Philoſoph!

Und der Dichter! rief d'Argens mit innigem Liebes⸗ ton, und dem Dichterkönig will ich jetzt ein Wort zu⸗ rufen, das er mir einſt geſagt, als ich traurig und verſtimmt geweſen:

Nous avons deux momens à vivre; Qu'il en soit un pour le plaisir.

Sie glauben, daß wir dieſen Einen Moment noch nicht erſchöpft haben, Marquis? fragte Friedrich mit einem traurigen Lächeln. Dann aber nach einer klei⸗ nen Pauſe erhellten ſich ſeine Züge, ſein Auge leuch⸗ tete wieder in dem gewohnten Feuer und eine kühne, freudige Entſchloſſenheit ſtrahlte von ſeinem Angeſicht.

Verſuchen wir's, Marquis, ob Sie Recht haben, ſagte er, und ſuchen wir den Moment pour le plaisir ſo lange als möglich auszudehnen, und dann, wenn's zum Sterben kommt, dann

Finissons sans trouble, et mourons sans regréts En laissant l'univers comblé de nos bienfaits. Kinsi l'astre du jour, au bout de sa carrière Repand sur l'horizon une douce lumière

Et les derniers rayons, qu'il darde dans les airs,

Sont ses derniers soupirs, qu'il donne à Punivers.*)

*) Poesies diverses. Edit. de Berlin. P. 318.