Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1857)
Entstehung
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Sie haben mir ein ganzes Jahr lang geſchworen, daß Sie mich lieben!

Und Sie haben immer die Grauſamkeit gehabt, mich zu verhöhnen und meiner zu ſpotten.

Von heute an will ich an Ihre Liebe glauben, aber Sie müſſen mir einen Beweis derſelben geben. Wollen Sie das?

Ich will es!

Nun denn, ich fordere keine Rieſenthaten, keine herculiſchen Arbeiten, es iſt da kein Nebenbuhler, den Sie zu ermorden haben. Aber ich verlange von Ihnen, daß Sie mit Ihrer Liebe zu mir vor der ganzen Welt Eclat machen, ich fordere, daß Sie mit erhobe⸗ nem Haupt und klarem offenem Auge vor Jedermann ein Zeugniß ablegen von dieſer Liebe. Ich will nicht, daß Derjenige, welcher mich liebt, vermeint, dieſe Liebe unter den Schleiern des Geheimniſſes und des Schweigens verhüllen zu müſſen, ich will, daß er den Muth habe, die Sonne des Himmels und das Auge der Menſchen auf ſein Herz fallen zu laſſen, und daß ſeine Wimper dabei nicht zucke und nicht der Schatten eines Zagens ſein Antlitz verdüſtere. Ich will, daß morgen ganz Berlin es ſage und wiſſe: der junge Regierungsrath von Cocceji, der Sohn des Miniſters, der Liebling des Königs, der liebt die Barberina und ſie liebt ihn, und es iſt keine dieſer kalten nordiſchen deutſchen Zuneigungen, bei denen einem das Blut in den Adern erſtarrt und das Herz unter Eisblöcken einfriert, es iſt ein volles, heißblütiges, inbrünſtiges Gefühl, das ſie Beide durchglüht! Es iſt keine deut⸗ ſche Zuneigung, es iſt eine italieniſche Liebe, eine Liebe voll Sonnenſchein, Wetterleuchten und Gluth!.

Sie ſah wundervoll aus in dieſer herausfordern⸗ den, ſtolzen, kühnen Haltung, mit dieſen leuchtenden