Chriſtus am Kreuze flehe auch ich: vergieb ihm, Gott, denn er wußte nicht, was er that!— Und jetzt, fuhr Lupinus nach einer Pauſe fort, jetzt genug der Klage und des Bedauerns! Ich habe meinen Entſchluß ge⸗ faßt, ich werde dieſer Verſuchung Widerſtand leiſten, ich werde nicht in's Theater gehen, denn niemals, oh nein, niemals darf ich ihn wiederſehen!—
Mit einer heftigen Bewegung nahm er den Thea⸗ terzettel und drückte die Stelle, wo der Name Eckhof ſtand, an die Lippen. Dann zerriß er das Papier in kleine Stückchen, die er mit einem traurigen Lä⸗ cheln über ſeinen Schreibtiſch und ſeine Bücher aus⸗ ſtreute.
Das iſt die Saat meiner Schmerzen, ſagte er leiſe, möge ſie aufgehen und ſich entfalten zu einer Blume auf meinem Grabe. Aber ſo lange ich lebe, will ich kämpfen und ſtandhaft ſein.„Kräftig, tapfer und treu, bis an's Ende.“ Das ſei die Deviſe, welche ich über mein Leben wie eine flatternde Fahne aus⸗ breite, und unter der ich muthig ſtreiten und ringen will mit der Welt und meinem eigenen Herzen. Ruhe, träume und ſtirb, mein Herz, und Du, mein Geiſt, wache auf und tröſte mich! 3
Er neigte ſeine Blicke wieder auf den vor ihm aufgeſchlagenen Folianten und las. Dies Mal nicht loß mit ſeinen Augen, ſondern auch mit ſeinem Geiſte und ſeinen Gedanken.
Aber das dauerte nicht lange, ein leiſes Klopfen an ſeiner Thür ſtörte ihn, und ehe er noch Zeit hatte aufzuſtehen, ward die Thür geöffnet und der Rector Magnificus Profeſſor Franke trat herein. Mit einer ſeltenen Freundlichkeit und Herablaſſung begrüßte er den über die ungewöhnliche Ehre dieſes Beſuches ganz erſtaunten und ſprachloſen Studenten, deſſen Verwir⸗


