Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1857)
Entstehung
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Aber welches Entſetzen und welcher Abſcheu würde ſie ergriffen haben, wenn ſie gewahrt hätten, was Lupinus eigentlich las, und welches unheilige Blatt da über der Ehrfurcht gebietenden Druckſchrift ausge⸗ breitet lag.

Dieſes Blatt war ein Comödienzettel, der Comö⸗ dienzettel des heutigen Abends, und auf ihm ruhten die Blicke der jungen Studenten Lupinus.

Nein, nein, ſagte er nach einer langen Pauſe, ich werde nicht hingehen. Ich will mein Herz überwin⸗ den, wie ich es dieſe zwei langen, entſetzlichen Monate ſchon gethan habe. Ich will und darf Eckhof nicht wiederſehen, niemals wieder. Ich fühle, daß ich ver⸗ loren wäre, wenn ich es thäte. Ah, als ob ich nicht auch ohnedies verloren bin. Als ob ich ihn nicht ewig vor mir ſähe, als ob ſeine großen, brennenden Augen nicht immer hier in meinem armen Herzen bohrten und glühten, als ob vor meinen Ohren nicht ewig ſeine ſanfte melodiſche Stimme erklänge und mir das Grablied meiner Ruhe und meines Friedens ſänge. Vergebens ſträubte ich mich gegen mein Verhängniß,

es iſt doch über mich hereingebrochen und hat meine ganze Vergangenheit, meine ganze Zukunft zerſchmet⸗ tert. Möge mein Herz unter dieſen Trümmern ver⸗ bluten, ich darf und will nicht verſuchen, es zu retten. Ich will ehrlich ſterben, wie ich ehrlich gelebt habe. Nur möge mir Gott die Kraft verleihen, daß meine ſterbenden Lippen meinem Vater nicht fluchen und ihn nicht anſchuldigen. Er hat ſich ſchwer an mir ver⸗ ſündigt, er hat mich hinausgeſchleudert aus den Bah⸗ nen, welche das Schickſal und die Natur mir vorge⸗

zeichnet, er hat die Natur ſeinem Willen unterordnen wollen, und ich bin das Opfer dieſes egoiſtiſchen Wil⸗ lens geworden. Möge das Gott ihm vergeben. Wie

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