——
— 21—
*
II. Der Student Lupinus.
Allein und einſam wie immer ſaß der junge Lu⸗ pinus in ſeinem Zimmer, vor ſeinem mit Büchern und Folianten bedeckten Schreibtiſch. Sein Antlitz war noch bleicher und abgemagerter wie damals, als wir ihn in Berlin kennen lernten. Seine Augen, welche tief in ihren Höhlen lagen, waren umgeben
von jenem traurigen, bläulichen Ringe, der immer
der Wiederſchein innern Leidens zu ſein pflegt. Seine bleichen Lippen waren feſt und ſchmerzlich zuſammen⸗ gepreßt, und dieſe ſchmale kleine Hand, mit welcher er ſein armes blaſſes Haupt ſtützte, war von einer durchſichtigen Magerkeit und Weiße.*
Lupinus arbeitete oder ſchien wenigſtens zu ar⸗ beiten. Vor ihm lag einer jener ehrwürdigen, in Schweinsleder gebundenen Folianten, welche ſo ſehr die Ehrfurcht und Achtung der Gelehrten erregen, und in denen die Quellen ihres Wiſſens und ihrer For⸗ ſchungen ſprudeln.
Die Blicke des jungen Mannes ruheten auf der vor ihm aufgeſchlagenen Seite des Folianten. Aber ſo lange und ſo ſtätig, daß man wohl ſah, wie er Uüber dem Denken und Grübeln das Leſen vergeſſen hatte.
Welche Freude würden die Herren Profeſſoren ge⸗ habt haben, wenn ſie ihn ſo, über den Folianten ge⸗ wigt, anz Andacht und Aufmerkſamkeit, hätten ſehen
nnen.


