Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1857)
Entstehung
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und im Kelche der Blumen, Gott iſt in Allem, was der Wahrheit, der Schönheit, der Natur, dem Ge⸗ danken angehört, alſo iſt Gott vor allen Dingen in der Kunſt. Nicht bloß die Kirche iſt ein Haus Got⸗ tes, ſondern auch das Schauſpielhaus, in der erſten wird Gott verkündet durch den Mund der Prieſter, in dem zweiten durch den Mund der Poeſie. Ah, meine Herren, Sie nennen ſich Profeſſoren der Theo⸗ logie, nun wohl, ich nenne mich Profeſſor der Kunſt, die Bühne iſt mein Katheder, das Publikum iſt mein Auditorium, und beim Himmel es fragt ſich, wo mehr Schauſpielerei herrſcht, auf den Kanzeln und den Ka⸗ thedern, oder auf der Bühne! . Nun wahrlich, das geht zu weit! rief Herr Pro⸗ feſſor Franke. Sie erkühnen ſich, das Schauſpielhaus eine Kirche zu nennen und ſich ſelber den Männern der Wiſſenſchaft und Gelehrſamkeit gleichzuſtellen. Sie wiſſen alſo nicht, daß die Hiſtrionen von jeher ver⸗ achtete und verworfene Geſchöpfe waren, unehrlich in ihrem Leben, unehrlich in ihrem Tode!

Ich weiß, daß die größten Geiſter aller Zeiten für die Hiſtrionen gearbeitet haben, rief Eckhof ſtolz. Ich weiß, daß Aeſchylus und Sophocles, Ariſtophanes und Euripides nimmer ſo berühmt und groß geworden wären ohne dieſe Hiſtrionen, welche das Volk für dieſe erhabenen Dichterwerke begeiſterten, ich weiß, daß die größten Dichter der neueren Zeit, daß Englands Shakeſpeare und Frankreichs Moliere auch Hiſtrionen waren, auch zu dieſen verachteten und verworfenen Geſchöpfen gehörten, welche von den Thoren und Finſterlingen verdammt wurden und denen die eng⸗ herzigen, kleinlichen und hochmüthigen Prieſter, welche ſich die Diener des Gottes der Liebe nennen, nach ihrem Tode ſogar noch die Ruhe des Grabes ver⸗