Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 3. Band (1857)
Entstehung
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gen, orthodoxen Chriſtenthum, welches nicht philoſophirt, ſondern glaubt, und ſich einfach und ſchlicht an die heilige Schrift und die frommen Kirchenväter hält.

Die beiden Profeſſoren hatten der langen, athem⸗ loſen Rede ihres Collegen mit einiger Ungeduld zu⸗ gehört, und ließen ihn jetzt, als er ſchwieg und trium⸗ phirend ſie Beide anblickte, nicht dieſe Zeichen des Beifalls und der Bewunderung ſehen, welche er er⸗ wartet hatte. 4

Das Alles iſt wahr, ſagte Franke, aber dieſe Er⸗ örterungen führen uns ein wenig zu weit von dem eigentlichen Zweck unſeres Geſpräches ab. Es han⸗ delt ſich hier um einen ſpeciellen Fall, es handelt ſich um die abweiſende Antwort, welche der König auf das Geſuch unſers Senats ertheilt hat, um die Ver⸗ weigerung dieſer einfachen und gerechten Bitte: das fernere Spielen dieſer Comödiantenbande, dieſes her⸗ gelaufenen Geſindels, zu verbieten. Der König hat uns dies Geſuch abgeſchlagen, das iſt allerdings der ganzen Stadt, der ganzen Studentenſchaft gegenüber eine große Niederlage für unſern Senat, denn wir hatten die Erfüllung unſerer Bitte für ganz gewiß er⸗ achtet. Wir hatten davon wie von einer ausgemach⸗ ten Sache geſprochen, und nun werden wir es dulden müſſen, daß man uns verlacht und verhöhnt.

Möchte man das immerhin, ſagte Biermann, was kümmert uns das Geſpötte dieſer kleinen unwiſſenden Menſchen, deren erbärmliche Schwäche doch gar nicht im Stande iſt, den Thron wankend zu machen, den wir uns auf der Höhe der Wiſſenſchaft, des Glaubens

und der Erkenntniß aufgerichtet haben, und deren Ge⸗

ſpött ungehört zu unſern Füßen verklingt. Aber der Glaube, die Kirche, die Wiſſenſchaft iſt durch dieſes