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verachtet. Nicht ein einziges Mal ſeit ſeiner Thron⸗ beſteigung iſt er zum heiligen Abendmahl gegangen, einer Predigt hat er nur dann und wann und nur pro Forma beigewohnt. Ueberall hat er die Einkünfte der Kirchen beſchränkt, und ſtatt dem Unweſen der Seecten zu ſteuern und ihre frevelhaften Neuerungen mit einem gerechten Bannſtrahl zu belegen, hat er ihnen erlaubt, frei ſich zu entwickeln und frei und offen ihre Lehre zu verkünden. Den Katholiken hat er freie Ausübung ihrer Religion erlaubt, ja, es geht ſogar das Gerücht, daß er ihnen erlauben wolle, in Berlin, dem Herzen des proteſtantiſchen Preußens, ſich eine Kirche zu bauen. Der Brüderunität in Schleſien hat er eine Generalconceſſion ertheilt und ihnen volle Freiheit zur Uebung ihres Gottesdienſtes gewährt.*) Dagegen hat er die häuslichen Religionsandachten, die Abendpredigten in den Kirchen unterſagt, den Prieſtern das Proſelytenmachen verboten, und um der chriſtlichen Religion die größte Gefahr zu bereiten, den Freiden⸗ kern und ſogenannten Philoſophen die Erlaubniß ge⸗ geben, frei und ſonder Scheu ihre gottesleugneriſchen Meinungen zu äußern. Wolf, den der fromme König Friedrich Wilhelm des Landes verwieſen, hat er zu⸗ rückgerufen und dabei noch vermeint, daß dies ein rechter Vorkämpfer der Wahrheit ſei.**) Als ob die Wahrheit anderswo wurzeln könne, als in dem ſtren⸗
*) Büſching, Charakter Friedr. d. Gr. S. 132 folgd. *) Ueber den Philoſophen Wolf ſchrieb der König an den
Probſt Reinbeck: Ich bitte Ihn, ſich um des Wolf willen Mühe
zu geben. Ein Menſch, der die Wahrheit ſucht und ſie liebt, muß unter aller menſchlichen Geſellſchaft werth gehalten werden, und glaube ich, daß Er eine Conquéste im Lande der Wahrheit Pnlaht hat, wenn Er den Wolf hierher perſuadirt. Büſching,


