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ab, die Arme auf dem Rücken gekreuzt, wie er es zu
thun pflegte, wenn er in tiefen Gedanken war.
Ein Kopf von Eiſen, ein Herz voll Feuer, mur⸗ melte er einmal. Beide ſo jung, ſo ſtolz, ſo liebes⸗ kühn, und Alles muß ich zerbrechen, alle dieſe Blüthen muß ich entblättern! Traurige Beſtimmung! Warum müſſen wir aufhören, Menſch zu ſein, weil wir König ſind?
Wiederum vergingen acht Tage, acht Tage der Feſte, der Conzerte, der Bälle, bei denen Prinzeſſin Amalie niemals fehlen durfte, bei denen ſie im vollen Glanz der Toilette, mit roſigen Wangen, das Haupt mit Blumen geſchmückt, erſchien. Nur waren dieſe Roſen ihrer Wangen künſtlich von der Schminke er⸗ zeugt und ihr trauriges Lächeln paßte wenig zu den Blumen in ihrem Haar.
Der König, welcher unter dem Schatten dieſer üp⸗
pigen und glänzenden Feſtlichkeiten unbemerkt ſeine Vorbereitungen zum Kriege beendigt hatte, durfte alſo jetzt dieſe heitere ſorgloſe Maske von ſeinem Antlitz nehmen, er durfte das geſtickte Ballkleid ablegen und den Soldatenrock anziehen. Die Tanzmuſik verſtummte, die Feſte waren beendigt. Das Silbergeräth der kö⸗
niglichen Rüſtkammer hatte ſich in glänzende Thaler
verwandelt. Alles war fertig. Der König verließ Berlin und begab ſich mit ſeinem Generalſtab nach Potsdam.
Am Tage ſeiner Ankunft in Potsdam beauftragte er ſeinen Adjutanten, den General von Borck, den Lieut nant von Trenck aus ſeinem Arreſt zu entlaſſen und ihn mit einem Brief an die Königin Mutter nach Zerlin zu ſenden, wo er bis zum andern Tage in Ur⸗ laub bleiben dürfe. Ich werde jetzt ſehen, ob ſie mich verſtanden ha⸗
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