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lichkeit und ich hoffe, daß Sie eine ſolche nicht bege⸗ hen wollen. Sie werden dieſen Abend keinen einzigen Tanz überſchlagen; lich wünſche es als Ihr Bruder, ich befehle es als Ihr König. Richten Sie ſich dar⸗ nach. Haben Sie Alles verſtanden, was ich Ihnen geſagt und— nicht geſagt habe?
Ich habe Alles verſtanden, Majeſtät, flüſterte Amalie, nur mit äußerſter Gewalt die Thränen zu⸗ rückdrängend, welche ihre Augen umdüſterten.
Prinzeſſin Amalie tanzte den ganzen Abend, ſie ſchien heiter und vergnügt, nur dem aufmerkſamen Auge des Herrn von Pöllnitz entging es nicht, daß ihr Lächeln gezwungen, ihre Heiterkeit erkünſtelt war, daß ſie oft ihre Blicke mit einem Ausdruck des Ent⸗ ſetzens und der Angſt hinüber ſandte zu dem König, deſſen Augen immer auf ihr ruhten, der ſie immer beobachtete.
Aber plötzlich änderte ſich der Ausdruck ihres Ge⸗ ſichts, und ihre Augen ſtrahlten wieder im Feuer der Iugend und des Glückes. Das kam daher, daß Fräu⸗ lein von der Marwitz, während die Prinzeſſin in der Frangaiſe neben ihr ſtand, leiſe zu ihr geſagt hatte: Beruhigen Sie ſich, Hoheit. Es iſt gar keine Gefahr. Er iſt nur wegen eines Verſehens im Dienſt in Ar⸗ reſt geſchickt, das iſt Alles!
Das war allerdings ein Troſt und eine Beruhigung. Amalie hatte ſo traurige, ſo entſetzliche Befürchtungen gehabt, daß ihr dieſe Nachricht nur wie eine Freuden⸗ botſchaft erſchien. E
Ein Dienſtvergehen, das war eine ſo kleine, ſo un⸗ bedeutende Sache. Das war mit einigen Tagen leich⸗
ter Gefangenſchaft abgebüßt. Dann kam er wieder, dann ſah ſie ihn wieder, dann mußten ſich dieſe herr⸗ Mühlbach, Berlin u. Sansſouci zc. II. 14 1


