Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

204

tenant von Trenck die Vermeſſenheit habe, eine Dame zu lieben, welche vom Schickſal ſo hoch über ihn ge⸗ ſtellt iſt, daß er nur mit Ehrfurcht und Scheu die Augen zu ihr erheben dürfte.

Man hat mir geſagt, er ſei der Liebhaber des Fräulein von der Marwitz, ſagte der König.

Die große Welt und die Stadt glaubt das auch, Sire, nur die Eingeweihten meinen zu wiſſen, daß dieſe zur Schau geſtellte Liebe nur ein Schleier iſt, welchen der junge Trenck einer andern, einer hoch⸗ verrätheriſchen Liebe überwirft, um ſie nicht ſofort er⸗ kennen zu laſſen.

Pöllnitz ſchwieg. Er wartete auf eine Antwort des Königs und blickte zu ihm hinüber mit einem ſtillen, ſchadenfrohen Lächeln, das der König indeß nicht bemerkte, weil er noch immer mit abgewandtem Geſicht daſtand. 4

Darf ich weiter reden? fragte Pöllnitz endlich.

Ich befehle es Ihm, ſagte der König gebieteriſch.

Pöllnitz trat näher zu dem König hin. Sire, ſagte er halbleiſe, jetzt erlaube ich mir zu ſagen, was außer mir noch Niemand weiß. Der Herr von Trenck beſucht jeden Tag das Fräulein von der Marwitz, aber wenn er dort iſt, iſt er niemals allein mit ihr. Es iſt immer eine dritte Perſon bei dieſen Rendezvons gegenwärtig.

Und dieſe dritte Perſon iſt?

Die Prinzeſſin Amalie, ſagte Pöllnitz ganz leiſe.

Der König wandte ſich haſtig um, und der Blick, welchen er auf Pöllnitz heftete, war ſo flammend und drohend zugleich, daß ein Gefühl von Furcht das ſonſt ſo zuverſichtliche Herz des Ober⸗Ceremonienmeiſters

beſchlich.