Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

202

Ich war daher ganz außerordentlich froh, als ich er⸗ fuhr, daß mein Tiſchnachbar auch nach Verſailles rei⸗ ten wolle, und ſich zu meinem Begleiter anbot.

Er nahm das Anerbieten an? fragte der König Iichelnd.

Ich nahm es an, Sire, und wir verabredeten eben die Stunde unſerer Abreiſe, als ein kleines Mädchen unter den geöffneten Fenſtern unſers Speiſeſaals er⸗ ſchien und mit heller Stimme ſang:Va t'en, noble guerrier. Der fremde Cavalier erhob ſich und trat an's Fenſter, um dem Mädchen ein Allmoſen zu geben, dann ging er hinaus, und ich ſah ihn nicht wieder.

Und daraus ſchließt Er, daß dieſe Worte Ihm das.

Leben retteten? Er meint alſo wohl, daß es ein Gift⸗ miſcher war, mit welchem Er ſpeiſete?

Ich meinte gar nichts, Sire, und vergaß die Ge⸗ ſchichte. Ein Jahr ſpäter aber befand ich mich auf der Straße, als Cartouche zur Hinrichtung ging. Ganz Paris war an jenem Tage auf der Straße, um

den famoſen Brigand zu ſehen. Ich hatte einen ſehr

guten Platz, den ich übrigens mit zwei Louisd'or be⸗ zahlt hatte. Der Zug kam dicht an mir vorüber, und ſehen Sie da, ich erkannte in dem armen Sünder, welchen man da zur Hinrichtung führte, den eleganten Herrn aus dem Cabaret in Etampes. Er erkannte mich auch und blieb vor mir ſtehen.Mein Herr, ſagte er,ich habe vor einem Jahre mit Ihnen in einem Gaſthof dinirt. Die Anfangsworte eines alten Liedes nöthigten mich damals, ſofort das Cabaret zu verlaſſen, denn ſie zeigten mir an, daß die Häſcher mir auf den Ferſen waren. Das war Ihr Glück,

denn hätte ich Sie nach Verſailles begleitet, ſo war⸗