Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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welcher, wenn Verdacht geſchöpft würde und Argwohn entſtände, erwidern könnte: Das Verhältniß iſt längſt zu Ende, längſt aufgegeben. Ich muß das wiſſen, denn ich war der Vertraute deſſelben.— Aber bei dieſer ſchlauen Erfindung haben Sie nur das ver⸗ geſſen, daß Pöllnitz nicht der Mann iſt, ſich von ſol⸗ chen Vorſpiegelungen täuſchen zu laſſen, daß Pöllnitz viel zu viel Erfahrungen geſammelt, viel zu lange die Herzen der Menſchen, und beſonders der Frauen ſtudirt hat, um von ſolchem Mährchen ſich bethören zu laſſen. Eine Frau, welche noch bei ihrer erſten Liebe ſteht und an die heilige Macht derſelben glaubt, bildet ſich alles Ernſtes ein, daß die Liebe wohl im Stande ſei, Wunder zu thun und alle Schwierigkei⸗ ten und Hinderniſſe zu beſiegen. Sie giebt daher dieſe Liebe nicht auf, nicht einmal, wenn ſie eine ge⸗ wöhnliche Frau iſt, und wie viel mehr alſo, wenn ſie eine Fürſtin iſt. Auch Prinzeſſin Amalie hat ihre Liebe nicht aufgegeben, ſie hängt vielmehr an derſel⸗ ben mit einer ſchwärmeriſchen Treue, die mich, das geſtehe ich Ihnen, erſchrecken und beängſtigen würde, wenn ich die Ehre hätte, ihr Liebhaber zu ſein. Nein, Prinzeſſin Amalie iſt jetzt in dieſem Paroxismus der jungfräulichen Liebe, wo man lieber ſterben, als ſei⸗ ner Liebe entſagen würde. Auch iſt ſie phantaſtiſch genug, an die Möglichkeit einer einſtigen legitimen Verbindung zu glauben. Armes Ding, welches die Welt nach ihren Wünſchen modeln möchte und mit Dolchſpitzen wie mit Haarnadeln umgeht. Da Prin⸗ zeſſin Amalie alſo es hat aufgeben müſſen, Sie auf dem Balcon zu ſprechen, ſo hat ſie wohl auf ein an⸗ deres Mittel ſinnen müſſen, ihrem Herzen genug zu thun. Das Mittel war einfach und leicht zu finden. Man machte die Hofdame zur Vertrauten, man ließ