Pöllnitz, indem er mit äußerſter Gewandheit ein Reb⸗ huhn tranchirte, und zwar ſo, daß das beſte Stück auf ſeinen Teller fiel.—
Sie wollen ſich über mich beklagen? wiederholte Trenck, ein wenig verlegen. Habe ich Ihnen denn dazu Veranlaſſung gegeben, theuerſter Freund?
Allerdings haben Sie das gethan, eben weil ich Ihr theuerſter Freund bin. Mit einen Wort: warum haben Sie mir Ihr Vertrauen entzogen? Warum begleite ich Sie nicht mehr auf Ihren höchſt romanti⸗ ſchen, mondſcheinſtrahlenden Tugendfahrten? Warum liege ich nicht mehr als zähnefletſchender Tugendwäch⸗ ter vor der Balconthür, wenn Sie mit Ihrer Dame Mond und Sterne zu Zeugen Ihrer Liebe anrufen? Warum bin ich abgeſetzt? 3
Darauf habe ich nur zu antworten, daß ich ſelbſt nicht mehr auf den Balcon komme.
Das heißt?
Das heißt, daß meine Sterne erloſchen und meine Sonne untergegangen iſt, daß es mir gleich Ihnen ergangen iſt, und daß ich abgeſetzt bin.
Pöllnitz ſah ſeinem jungen Freund mit einem ſo ſcharfen, liſtigen Blick in'’s Geſicht, daß dieſer befan⸗ gen das Auge ſenkte. Dann brach er in ein lautes Lachen aus. Lieber Trenck, ſagte er, die Lüge nimmt
ſich auf Ihrem hübſchen Geſicht wie ein Stockfleck auf deer glänzenden Fläche eines Apfels aus. Sie ſind noch viel zu jung, um ſich auf die Lüge zu verſtehen, und ich bin viel zu alt, um mich belügen zu laſſen! Oder wie? Wollen Sie mich etwa glauben machen, dieſer Luxus, welcher Sie umgiebt, werde von Ihrer Lieutenantsgage bezahlt? 3 Sie vergeſſen, daß mein Vater mir das Gut
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