Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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freilich verſchwiegen haben, denn es iſt leider unter den Menſchen eine ſtillſchweigende Verabredung, den Königen niemals die Wahrheit zu ſagen. So erfuhr ich auch damals nur Ihre wahre Geſinnung gegen mich, weil Sie nicht wußten, daß es der König war, zu dem Sie ſprachen. Oh, Signora, ich habe Ihre Worte von damals nicht vergeſſen! Ich weiß, daß Sie an jedem Tage zu Gott beten,„nicht mehr um Ihr Glück, denn das hat dieſer grauſame König zer⸗ ſtört, ſondern nur noch um Rache, um Vergeltung an dieſem Mann, welcher die Herzen anderer Men⸗ ſchen unter ſeine Füße tritt, weil er ſelber kein Herz hat.“

Euere Majeſtät ſind ſehr grauſam, flüſterte Bar⸗ berina.

Grauſam, weshalb? Ich wiederhole Ihre Worte, weiter nichts! Grauſam, weil ich ſie nicht vergeſſen habe? Man vergißt nicht, was Barberina ſagt. Da⸗ rin wenigſtens gleicht der König jedem andern Mann.

Und darin ſollte er ihm am wenigſten gleichen. Das kleine Windſpiel mag ſich rächen, wenn man es beleidigt, der Adler verzeiht, und ſchwingt ſich höher in die Lüfte, ſo hoch, daß er das arme Menſchenge⸗ würm gar nicht mehr ſieht und es vergeſſen kann. Euere Majeſtät gleicht ſo ſehr dem Adler, warum woll⸗ ten Sie nicht auch vergeſſen?

Weil ich nicht kann und auch nicht will. Ich er⸗ innerte Sie nur an jene Stunde, weil ich Sie heute um eine ähnliche bitten möchte, weil ich wieder einmal von dieſen ſtolzen Lippen die Wahrheit, dieſes ſeltene Manna der Könige, empfangen möchte. Barberina, wollen Sie mir einmal wieder die Wahrheit ſagen?

Wollen Euere Majeſtät mir alsdann die erzeigen, jenes erſte Geſpräch zu vergeſſen?

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