Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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Der König lachte. Wahrhaftig, ſagte er, es mag ſchwer ſein, den Schmetterling bei ſeinen Flügeln zu erhaſchen und ihn zum Stillſitzen zu zwingen, ohne dabei den Aetherſtaub ſeiner Flügel zu verletzen. Aber male Er jetzt weiter, Pesne, ich will mich hinter Sei⸗ nen Stuhl ſtellen und Ihm zuſchauen.

Pesne ergriff wieder die Palette und begann zu malen. Barberina nahm wieder dieſe anmuthsvolle, leichte, ſchwebende Stellung ein, in welcher der Künſt⸗ ler ihre liebliche Erſcheinung uns aufbewahrt hat. Sie war unbeſchreiblich anmuthig in dieſer ſchwebenden Haltung, mit dieſen gerundeten Armen, dieſen geſpitz⸗ ten Fingern, welche loſe und zierlich das blumenver⸗ zierte Gewand faßten und ein wenig in die Höhe ho⸗ ben, daß darunter der vorwärts geſtreckte, auf den Zehen ruhende rechte Fuß ſichtbar ward, unbeſchreib⸗ lich anmuthig mit dieſem leiſe zur Sei eigten Haupt, mit dieſen glühenden Augen, dieſem anmuthsvollen ſü⸗ ßen Lächeln.. 8

Jedermann würde ſie bewundeßeuun wunderung mindeſtens in ſeinen Mne ken verrathen haben. Nur das 3 verrieth nichts davon, es war vollkomeet eichgültig, vollkommen kalt und ruhig. Barberina fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen ſtieg, und dann auf ein⸗ mal zurücktretend, ihr Herz faſt erſtickte. Sie fühlte, daß es ihr unmöglich ſei, dieſes ruhige Anſchauen, dieſe kalte Kritik über das Portrait und das Original län⸗ ger zu ertragen, und doch ſchwur ſie ſich ſelber, dem König dieſen neuen Triumph nicht zu bereiten, nicht zuſammenzuſinken, nicht ohnmächtig zu werden, und dieſem kalten, ſtolzen Herzen nicht die Freude zu gön⸗ nen, daß ſie in Zorn und gekränkter Eitelkeit auf⸗ flamme.

Mühlbach, Berlin u. Sansſouci ꝛc. II. 11

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