Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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Dann zittere ich vor dem Urtheil Euerer Majeſtät, ſagte Pesne.

Und ich muß geſtehen, daß Er ein wenig Grund dazu hat, ſagte der König. Ich habe das Bild nicht angeſehen mit den Augen eines Liebhabers, ſondern mit denen eines Kritikers, und ſolche Augen ſehen bekannt⸗ lich ſehr ſcharf und haben ſogar Flecken in der Sonne entdeckt. Freilich hat das die Sonne immer nicht ver⸗ hindert zu leuchten und zu glänzen, und Sonne zu bleiben, wie meine Kritik Sein Bild nicht verhindern

wird, ein ſchönes Bild zu ſein, welches nur von dem Original verdunkelt wird.

Vielleicht, Sire, ſagte Barberina lächelnd, bin ich ſelber einer von den Flecken in der Sonne, und ſo mag es kommen, daß ich verdunkele, wie Euere Ma⸗ jeſtät ſagen.

Sie ſehen, Signora, wie wenig ich mich darauf verſtehe, galant zu ſein, ſagte der König lächelnd, denn ſelbſt wenn ich es verſuche, eine Galanterie zu ſagen, läßt ſich dieſelbe Mäs gut in das Gegentheil verdre⸗ hen. Erlauben Sie mir alſo, ohne dieſe Schminke und Uebertünchunge ganz einfach die Wahrheit zu ſa⸗

gen. Dieſe Wahrheit iſt: Sie ſind ſchöner als Ihr Portrait, und doch bewundere ich Pesne, daß er es verſtanden hat, ſo viel von Ihrer Schönheit wiederzu⸗ geben, wie ich den Dichter bewundere, der die Macht hat, einen im Sonnenglanz ruhenden Frühlingsmorgen zu beſchreiben und zu portraitiren.

Doch iſt das vielleicht weniger ſchwer, als der Signora Bild zu malen, ſagte Pesne mit einem ko⸗ miſchen Seufzer. Ein Frühlingsmorgen hält wenig⸗ ſtens ſtill und läuft nicht davon, und wechſelt nicht in jeder Minute die Stellung, den Ausdruck und die ganze Phyſiognomie. 1 n.

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