Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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nur ſtockend und ſchüchtern beantworten konnte. Viel⸗ leicht hatte ſie ſich geirrt, vielleicht war ſie wirklich noch allein mit dem Maler. Und doch hatte ſie ein Gefühl, als ob das unmöglich ſei, doch ſchien ihr, als ſei plötzlich ein Lichtſtrahl durch dieſes Gemach gefal⸗ len, und habe brennend und mit verzehrender Gluth ſich auf ihre Schulter geheftet. Sie ſah nicht den Blick des Königs, aber ſie fühlte ihn, ſie fühlte, daß er hinter ihr ſtand, daß er ſie beobachtete; ohne daß ein Geräuſch, ein Wort, ein Blick ihr ſeine Annä⸗ herung verrieth, fühlte ſie dieſelbe.

Ich werde mich nicht bewegen, ich werde mich nicht nach ihm umwenden, dachte ſie, aber ich werde todt zur Erde fallen.

Aber jetzt mußte ſie ſich doch umwenden, denn der König nannte ihren Namen und begrüßte ſie mit eini⸗ gen freundlichen Worten. Während ſie ſich verneigte, blickte ſie ſchüchtern zu ihm empor. Wie kalt, gleich⸗ gültig und theilnahmlos ſein Blick war, und doch hatte er ſie ſeit Wochen nicht geſehen, und war ſie ſeitdem krank und leidend geweſen. Jetzt fühlte ſie wieder, wie glühend ſie ihn haſſe, und daß es wirklich nur der Zorn geweſen, welcher ſie bei dem unvermutheten Wiederſehen des Königs ohnmächtig hatte werden laſſen. 3

Aber dennoch mußte ſie ſich geſtehen, daß der Ton ſeiner Stimme wie himmliſche Muſik an ihr Ohr klinge, daß jedes Wort, welches er ſprach, ihr Herz bewegte, wie der Wind das Meer aufkräuſeln macht.

Der König ſprach über ihr Portrait; er hatte, wie er ſagte, aus dem Anſchauen deſſelben ſich ein Stu⸗ dium gemacht, und unc den Fehlern und Mängeln deſſelben geſucht, wie Andere nach den Schönheiten und Vorzügen. 8