Pesne. Er hat mir befohlen, immerhin anzufangen, ſobald er Zeit hat, wird er hierher kommen.
Fangen wir alſo an, ſagte Barberina mit einem mühſamen Lächeln, indem ſie ſich auf einen Seſſel nie⸗ dergleiten ließ. Nur werden Sie mir heute erlauben müſſen zu ſitzen, und ich denke, das wird keinen Un⸗ terſchied machen, da Sie es heute wohl nur mit mei⸗ nem Geſicht und nicht mit meiner Geſtalt zu thun haben.
Aber Pesne erklärte, daß es unmöglich ſei, eine ſtehende Figur anders als im Stehen zu portraitiren,
und daß das Geſicht einer Sitzenden ganz andere For⸗ men, eine ganz andere Haltung, ganz andere Beleuch⸗ tung habe, wie das einer Stehenden.
Barberina mußte ſich alſo, trotz ihres Fußes, be⸗ quemen zu ſtehen. Aber ſie ſchien jetzt keine Schmer⸗ zen mehr zu empfinden, ſie lächelte ſo glückſelig, ſie ſprach ſo lebhaft, ſo geiſtvoll und pikant, daß Pesne zuweilen über dem Anſchauen dieſes belebten, geiſtvol⸗ len, ſchönen Angeſichts vergaß, daß er nicht da ſei, um ſie zu bewundern, ſondern um ſie zu malen. Plötzlich ſtockte ihr Lächeln und mitten in einer ange⸗ fangenen Phraſe hielt ſie inne.
Sie hatte da hinter ſich die Thüre ſich leiſe öffnen gehört, ſie fühlte es an dieſem ſtürmiſchen Klopfen ih⸗ res Herzens, daß ſie nicht mehr mit dem Maler allein ſei, und doch hatte ſie nicht den Muth, nicht die Kraft, ſich umzuwenden, ſondern blickte ganz ſtarr und un⸗ verwandt zu Pesne hin, welcher ganz ruhig weiter malte, weil er ſehr wohl geſehen hatte, wie der König ihm mit der Hand gewinkt, ruhig zu bleiben und ſeine Anweſenheit gar nicht zu bemerken..
Pesne alſo malte weiter und richtete an Barberina ganz harmloſe und gleichgültige Fragen, die ſie indeß


