Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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Euere Majeſtät hatten die Gnade mir zu verſpre⸗ chen, daß Sie kommen wollten.

Und weißt Du, Freund, ich glaube wahrhaftig, daß mir heute die Stunden ſo träge und öde hin⸗ ſchleichen, weil ich die Zeit des Feſtes bei Dir nicht erwarten kann. Nun ſage mir, wen werden wir wei⸗ ter haben, wer wird Theil nehmen an unſerm heuti⸗ gen Götterfeſte?

Die Perſonen’, welche Euere Majeſtät ſelbſt be⸗ ſtimmte. Chazot wird kommen und Algarotti, Jordan und Bielfeld.

Ich war's, der die Perſonen beſtimmte? fragte der König gedankenvoll. Dann wundert's mich, daß—

Er brach ab und ging ſchweigend und zur Erde blickend auf und ab.

Was wundert Euere Majeſtät? fragte der Ge⸗ neral. 3

Daß ich Dich noch nicht gebeten habe, mir heute Abend Rheinwein vorzuſetzen, ſagte der König mit einem leiſen Lächeln.

Rheinwein? Enere Majeſtät pflegten ſonſt zu ſa⸗ gen, der Rheinwein ſei ein verderbliches Gift, das den Menſchen langſam morde.

Das iſt er auch, aber was willſt Du, Freund, es giebt viele Dinge, welche giftig ſind, und die uns deshalb nur um ſo mehr reizen. Auch mit den Wei⸗ bern iſt es ſo! Man thut wohl, ſich ihnen fern zu halten, weil ſie unſere Vernunft vergiften und unſer Herz krank machen, aber doch thut man's nicht, doch ſehnt man ſich immer nach ihnen, denn das Gift, das ſie uns ſpenden, ſchmeckt ſo ſüß.

Nun, auch darin iſt Eunere Majeſtät weiſer, als alle übrigen Menſchenkinder, denn Sie allein haben