Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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ergeben, nur ſah, daß ſeine Diener und Freunde ihn weinend und mit verzweiflungsvollem Schmerz um⸗ ringten. Er lächelte ihnen zu und ſagte nur dieſe wenigen bedeutungsreichen Worte:„Ich fühle es an Euren Thränen, daß ich noch immer Kö⸗ nig bin.“*)— Jenem König einſt zu gleichen und meinen Ruhm mir ſelbſt und nicht dem Königsmantel zu ſchulden, das ſchwur ich damals mit heiligen Eiden! Ich habe bis heute erſt einen kleinen Theil von meinem Schwur erfüllt! Aber ich hoffe, meine Muhme The⸗ reſia und die ruſſiſche Kaiſerin werden mir ſchon die Mittel gewähren, mein Gelübde beſſer zu erfüllen. Der Menſch hat an ſeinen Feinden immer doch ſeine beſten Freunde, ſie nützen und fördern ihn. 3

Wenn das wahr iſt, Sire, ſo verdammen. Sie damit uns Alle, die wir die treueſten, ergebenſten, begeiſtertſten Freunde unſers erhabenen Königs ſind. Ihr nützt mir auch, ſagte der König mit einem ſanften Lächeln. Du, zum Beiſpiel, nützt mir mit Deinem friſchen lieben Geſicht, ſo oft ich's ſehe. Du erhältſt mein Herz jung und lehrſt mich immer wieder das Lachen, welches ich bei den andern langweiligen, verſtändigen, heuchleriſchen Menſchen ſonſt gewiß ver⸗ lernen würde. Ich lache nirgends ſo heiter und ſo gern, als bei Dir, als an Deinem Tiſche, wo es mir vergönnt iſt, mein Königthum abzuſtreifen und Eures⸗ gleichen zu ſein. Ich freue mich alſo auf heute Abend, wie ein junges Mädchen auf ihren erſten Ball, denn heute Abend bin ich, wie mich dünkt, bei dem Herrn Henernl von Rothenburg zum petit souper einge⸗ laden.

*) Des Königs eigene Worte. Siehe: Oeuvres posthumes. Vol. VIII. pag. 342.