Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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den Geſang nicht zu hören. Iſt es in dieſer armſeli⸗ gen, nüchternen Welt nicht ein Glück, einmal einer Syrene zu begegnen, ihrem Zauber zu unterliegen, und ſich bei ihr eine Viertelſtunde der Seligkeit zu erträumen? Und wenn denn jetzt alle Menſchen wahn⸗ ſinnig oder närriſch ſind, warum denn ſollte ich allein vernünftig bleiben! Komme alſo über mich, göttlicher Wahnſinn, betäube meine Sinne und umneble meinen Geiſt! Möge das Alter weiſe ſein und gelaſſen, ich bin noch jung, warum ſollte ich nicht auf eine Vier⸗ telſtunde ein Thor ſein, und meiner elenden Herrlich⸗ keit vergeſſen können? 4

Er rief ſeinen Kammerlakaien und befahl, ſofort den Generallieutenant von Rothenburg herzubeſcheiden, dann nahm er wieder ſeine Flöte und begann auf⸗ undabwandelnd zu ſpielen. Allmälig, während er ſpielte, erhellten ſich ſeine Züge, und ſein Auge glänzte wieder im Feuer edler Begeiſterung. Jetzt war er wieder der ſiegreiche Held, der machtvolle König, der denkende, edle und gemüthvolle Menſch.

Als der General von Rothenburg zu ihm eintrat, nickte der König ihm zu, und ſpielte ruhig das Adagio zu Ende, dann legte er die Flöte bei Seite und reichte dem Freunde ſeine beiden Hände dar.

Du mußt heute mein Pylades ſein, mein Freund, ſagte der König, und mich befreien von dieſen Erinnyen der Langenweile, welche heute das Herz und den Kopf Deines armen Oreſtes heimſuchen und umlauern.

Ich will Alles das ſein, was Euere Majeſtät mir erlaubt und befiehlt zu ſein, ſagte der General lächelnd. Nur wage ich zu bemerken, daß die Königin Mutter wenig zufrieden damit ſein möchte, zu hören, daß Euere Majeſtät ſich dem Oreſtes vergleicht. 4

Ah, Du meinſt wegen Klytemneſtra's treuloſer