Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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wurde, und der junge Prinz Ferdinand mit ausgebrei⸗ teten Armen zu ſeiner Schweſter hineilte.

Meine liebe, liebe Ulrike, rief der Prinz mit ſchmerz⸗ lichem Schluchzen, ſo muß es denn ſein! So ſoll ich Dich niemals wiederſehen!

Und mit kindlichem Ungeſtüm ſeine Schweſter um⸗ armend, lehnte er das Haupt an ihre Schulter und weinte und ſchluchzte laut.

Prinzeſſin Ulrike, nicht mehr im Stande, ihre lange bekämpfte Rührung zu verbergen, vermiſchte ihre Thrä⸗ nen mit denen ihres Bruders, und ihn ſanſt in den Hintergrund der Loge zurückziehend, flüſterte ſie ihm weinend und zitternd Worte der Zärtlichkeit, der Bitte, ſie nicht zu vergeſſen, des Verſprechens, ihn immer zu lieben, in's Ohr. Neben ihr ſtand die Königin Mut⸗ ter; auch ſie hatte auf einen Moment vergeſſen, daß ſie eine Königin ſei, und ſich nur erinnert, daß ſie eine Mutter war, im Begriff, ihr Kind auf immer zu verlieren. Sie hatte daher nicht einmal den Gedanken gehabt an das Unziemliche und Etiquettewidrige dieſer Scene ſie ſah nur ihre beiden Kinder, welche ſich weinend umſchlungen hielten, und ſie weinte mit ihnen.*)

Das Pubkikum ſah das Alles, und niemals hatte das huldvollſte Lächeln, die freundlichſte Begrüßung der Königin ſo ſehr die Herzen gewonnen, wie es jetzt die Thränen der Mutter thaten. Jede Mutter fühlte mit dieſer Frau, welche, obwohl eine Königin, doch

die Schmerzen einer zärtlichen Mutter empfand, jedes Mädchen fühlte mit dieſem Mädchen, welches, obwohl im Begriff, einer glänzenden Zukunft als Fürſtin ent⸗

*) L. Schneider. Geſchichte der Oper und des königlichen Opernhauſes zu Berlin pag. 20.