Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 36—

liebt, bis er anbetend zu ihren Füßen liegt!— Aber nein, nein, ich werde das nicht dulden, ich nicht. Sie ſoll mir nicht das einzige Glück, den einzigen goldenen Traum meines Lebens entreißen. Er gehört mir, er iſt mein durch ſeine Liebe, die er mir mit tauſend hei⸗ ligen Eiden geſchworen hat. Ich bin ſeine erſte Liebe, ich bin dieſes glückſelige Weib, welches er liebt, und welches die ſchöne, die ſtrahlende Luiſe von Schwerin beneidet um ihr Glück. Er iſt mein, und mein ſoll er bleiben, der ganzen Welt zum Trotz will ich ihn lieben und mich ihm zu Eigen geben!

Und wie ſie jetzt ihre flammenden, trotzigen Blicke wieder durch die kleine Oeffnung der Gardine in den Saal gleiten ließ, ſchauerte ſie zuſammen in ſüßem, freudigem Schreck.

Dicht vor ihr, gerade an der Stelle, wo kurz zu⸗ vor die beiden Damen geſtanden, da ſtand Er jetzt, Er, der Apoll der Frau von Kleiſt, der hereuliſche Ganymed der Frau von Brandt, Er, Friedrich von Trenck, der Geliebte der Prinzeſſin Amalie! 1

Er ſtand ſtill und unbeweglich da, und ſchaute mit verſchränkten Armen in das bunte Gewühl der Mas⸗ ken hinein. Vielleicht ſuchte er ſie, vielleicht war er traurig und kummervoll, daß Amalie ſich ſeinen Blicken ganz entzogen, ihm ganz unſichtbar gewor⸗ den ſei. 4

Plötzlich hörte er hinter ſich eine Stimme, welche flüſterte: Sehen Sie Sich nicht um, bleiben Sie ſte⸗ hen, wie bisher. Aber wenn Sie michahören und mich verſtehen, ſo neigen Sie leiſe bejahend Ihr Haupt. 3

Friedrich von Trenck neigte ſein Haupt; aber Prin⸗ zeſſin Amalie konnte nicht ſehen, welch ein Ausdruck des Entzückens plötzlich auf ſeinem Antlitz leuchtete,

2.