— 25—
dere, eine einſame Zuſammenkunft zu bewilligen, ſo⸗ bald er es wagen würde, ſie darum zu ättene
Sie wollte endlich dieſes ſchöne Antlitz, das jetzt wie von einer Wolke der Wehmuth beſchattet war, aufleuchten ſehen im hellſten Sonnenſchein des Glückes, ſie wollte dieſe traurigen Augen ſich verklären, dieſen düſtern Mund lächeln ſehen. Sie wollte den Gelieb⸗ ten glücklich machen. Sie dachte, ſie fühlte, ſie wollte nichts weiter als das!
Freilich gab es noch Stunden des Zweiſels, des Bangens, Stunden, in welchen ſie ganz das Gefahr⸗ volle und Verwegene ihres Entſchluſſes begriff, wo ſie in einem unbeſtimmten Gefühl der Angſt und des Entſetzens faſt bereit war, ſich ihrer königlichen Mutter zu Füßen zu werfen, ihr Alles zu geſtehen und bei dr Schutz zu ſuchen vor ihrem eigenen ſchwachen Mädchenherzen; wo ſie, in der wilden Verzweiflung ihres muthigen und trotzigen Naturells, zu dem Kö⸗ nig gehen und ihn beſchwören wollte, ſie zu retten vor ſich ſelber, vor ihren eigenen, leidenſchaftlichen und gefährlichen Gedanken. Aber immer war eine Stimme in ihrem Herzen, welche ſie von dieſem Schritte des Heils und der Rettung zurückhielt und
ſie ihre Augen verſchließen gcte vor dieſen Ab⸗
gründen, welche ſie rings ſchon umgaben, und denen ſie mit wiſſenden Sinnen entgegentaumelte.
Hätte ſie jetzt eine Freundin, eine Schweſter ge⸗ habt, welcher ſie vertrauen durfte, ſo wäre ſie vielleicht gerettet geweſen; aber ihre hohe excluſive Stellung beraubte ſie, indem ſie die Prinzeſſin iſolirte, dieſer köſtlichen Lebensfreude einer Mädchenfreundſchaft. Denn die Freundin, an welche die Natur ſie gewieſen, ihre Schweſter Ulrike, hatte durch die Intrigue, durch


