Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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ben haſt! Gehen Sie hin, Königin, möge die ganze Welt vor Ihnen das Knie beugen, ich beuge das meine nicht, ich verachte Sie, denn Sie haben in Ihrem Königsmantel das Herz meiner Schweſter ein⸗ geſargt! Leben Sie wohl!

Sie ſprang der Thür zu, wild aufbäumend, hoch⸗ athmend, mit funkelnden Augen, wie eine gereizte Pantherin. Aber Prinzeſſin Ulrike eilte ihr nach, und legte ihre Hand auf Amaliens Arm.

Laß uns ſo nicht von einander ſcheiden, meine Schweſter, ſagte ſie freundlich, laß uns

Aber Amalie hörte nicht mehr, ſie ſchleuderte mit

einer heftigen Bewegung die Hand ihrer Schweſter fort und entfloh in ihre Gemächer.*)

Lange noch ging ſie in ſtürmiſcher Aufregung, ganz durchglüht von Zorn und Schmerz, in ihrem Bondoir, welches ſie hinter ſich verſchloſſen hatte, auf und ab. Ihr ganzes Weſen war in Aufruhr, und mit dem leicht erregbaren Zorn der Hohenzollern verwünſchte ſie ihre Schweſter, von welcher ſie ſo bitter getäuſcht, ſo ſchmach⸗ voll verrathen worden.

Prinzeſſin Amalie, in allen Dingen, in ihrem

Aeußern, wie in ihrer Geſinnung, das treue Ebenbild

ihres königlichen Bruders, war auch darin ihm gleich, daß ſie zu viel Glauben und Vertrauen zu der Menſch⸗ heit hegte, und daß, wenn ſie dieſes getäuſcht ſah, eine ſchmerzliche Wuth, eine verzweiflungsvolle Pein ihr ganzes Weſen erfaßte, und ſich wie tödtender Mehlthau nicht auf ihre Liebe zu dem einzelnen Menſchen, wel⸗ cher ſie verrathen, ſondern auf ihre Liebe zu der ganzen Menſchheit warf, und dieſe allmälig abſterben machte. Großartig und gluthvoll, in Allem was ſie

*) Thisbault. Vol. IV. pag. 195 folgd.