Wenn ich für mich nicht die Rathſchläge adoptirt habe, welche ich Dir gegeben, ſo kommt das daher, daß ich Deine Geſinnungen und Anſichten nicht theilte. Mein Gewiſſen iſt weniger ängſtlich und ſchüchtern, als das Deine; meine Religion zu verlaſſen und lu⸗ theriſch zu werden, ſcheint mir kein Verbrechen, nicht einmal ein Unrecht, vorzüglich, da ich es nicht aus Unbeſtändigkeit und Flatterhaftigkeit gethan, ſondern um eines höhern politiſchen Zweckes willen.
Um des Zweckes willen, Königin von Schweden zu werden!
Und warum ſollte ich das läugnen? Ich nahm dieſe Krone auf, welche Du verächtlich von Dir ſtie⸗ ßeſt. Ich war ehrgeizig, während Du zu ſtolz warſt, einer Krone auch nur einen kleinen Theil Deiner re⸗ ligiöſen Ueberzeugung zum Opfer darzubringen. Ich fürchtete nicht, im Himmel verdammt zu werden, weil ich, um eine Königin zu werden, an der äußern Form meines Glaubens, nicht an meinem Glauben ſelbſt änderte. Wenn Du jetzt bereueſt, was Du gethan, wenn Du mildere Anſichten angenommen—
Nein, unterbrach ſie Amalie lebhaft, ich bereue gar nichts, und mein Kummer und Schmerz betraf nicht die verſchmähete Krone, ſondern die treuloſe und heuch⸗ leriſche Schweſter, welche mir gegen ihre eigene Ueber⸗ zeugung Rathſchläge gegeben, und mich verrieth, indem ſie mich zu lieben ſchien. Geh, geh, ſetze immerhin eine Königskrone auf Dein ſtolzes Haupt, ich beneide Dich nicht, denn Du nimmſt nur, was ich verſchmä⸗ hete, und nicht das leiſeſte Bedauern und nicht die kleinſte Reue iſt in mir. Aber indem Du eine Kö⸗ nigin wirſt, hörſt Du auf, meine Schweſter zu ſein, denn niemals werde ich es vergeſſen, daß Du nur durch Verrath und Falſchheit dieſe Krone Dir erwor⸗


