Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

171

häuſern der Gläubigen. Dort kamen ſie zuſammen zu ihrem Gottesdienſt, welcher indeß nur darin beſtand, daß man in ſtolzem Uebermuth mit frommen Reden und ſalbungsvollen Worten einander beſchwor, auszu⸗ harren und treu zu bleiben dem einzigen wahren und rechten Glauben, als welchen die ſtolzen Fanatiker im⸗ mer denjenigen Glauben zu bezeichnen pflegen, welcher der ihre iſt. Nicht minder aber wagte man es dort, ein ifernden Reden den König als einen Ungläubigen zu läſtern, und ſich einander zu beſtärken in dem Un⸗ gehorſam gegen ſeine Befehle, welcher Ungehorſam Allen als eine Gott wohlgefällige That erſchien.

Die Pietiſten, welche vergebens bemüht geweſen, unter Friedrich zu der Macht und dem Anſehen zu gelangen, welche ſie unter ſeinem Vater genoſſen, wa⸗ ren daher des Königs erbittertſte Feinde geworden, und indem ſie Friedrich Wilhelm den Erſten als den weiſen, gütigen und Gott wohlgefälligen König prie⸗

ſen und beklagten, riefen ſie Unheil und Wehe herab

auf das Haupt des jetzigen Königs, der es wagte, ihre Frömmigkeit Heuchelei zu nennen, über ihren Zorn zu lachen, auf ihre Verwünſchungen mit ſanglanten Witzworten und beißendem Spott zu antworten, die frommen PrieſterChekers oderThiere ſonder Ver⸗ nunft nannte, und ganz kürzlich noch in ſeiner kurzen und draſtiſchen Schreibweiſe auf eine Eingabe und das Bittgeſuch eines Predigers die verneinende lakoniſche Antwort gegeben:Der verfluchte Pfaffe weiß ſelber nicht, was er will, hole ihn der Teufel. ³)

Dieſe ſogenannte fromme Betſtunde alſo ſollte heute in dem Tanzſaale der ſchönen Frau von Kleiſt ſtatt⸗ finden, und nur die Eingeweiheten und Auserleſenen

*) Büſching, Charakter Friedrich's d. G. pag. 52. 54. 55.