Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 1. Band (1857)
Entstehung
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der Erhabenheit Gottes, wie unſerer Abhängigkeit von ihm gemäß ſind!*)

Nur daß leider die Welt noch nicht aufgeklärt genug iſt, um das begreifen zu können, erwiederte Jordan, nur daß Euere Majeſtät gerade das Gegentheil von dem bewirken möchten, was Sie beabſichtigen. Denn alle dieſe Religionen, welche, wie Sie ſagen, ſo ganz unvereinbar ſind, würden ſich demzufolge durch dieſe äußere Vereinigung verletzt und verläſtert fühlen; der gegenſeitige Haß würde täglich auf's Neue angefacht, die Antipathien täglich genährt und dieſer religiöſe Eifer, der immer excluſiv ſein muß, mit neuer Nah⸗ rung verſehen werden. Nicht bloß die Prieſter, ſon⸗ dern auch die Fürſten und Könige, würden mit Ent⸗ ſetzen dieſen Plan Eurer Majeſtät ſich verwirklichen ſehen. Und wie ſollte man in den Kabinetten der Könige nicht erſchrecken über dieſen ſo gewagten Schritt eines Monarchen, der, nachdem er eben erſt die Augen aller Politiker auf ſich gezogen, jetzt auch hinabſteigen wollte in die Gewiſſen ſeiner Unterthanen, um ſie nach ſeinem Gefallen zu bilden und zu beugen? Oh wie würde der Neid ſich mit all' ſeinen giftigen Schlangen an den Triumphwagen eines Königs heften, der, nach⸗ dem er ſchon ſo Großes gethan, noch Größeres zu beabſichtigen ſchiene, und welcher die Schwachen und die Guten auf den Trümmern ihrer umgeſtürzten Tempel zum Weinen und Jammern verdammen würde. Nein, mein König, dieſe Idee eines Pantheons, eines gemeinſamen Gotteshauſes für alle Religionen, ſie iſt zu erhaben, um ausführbar zu ſein. Sie iſt groß⸗ artig und herrlich, aber leider nicht weiſe, das heißt

*) Des Königs eigene Worte. Siehe: Oeuvres posthumes Vol. II.: Pensées sur la réligion. pag. 165.

Mühlbach, Berlin u. Sansſouci ꝛc. I. 3