und hochmüthigen Prieſter, welche ſich weiſe dünken und Alles verachten, was nicht denkt wie ſie. Alle dieſe verſchiedenen Kirchen mit den verſchiedenen Dog⸗ men will ich zerſtören und ſie auflöſen in eine Univer⸗ ſalkirche, wohin Jeder kommen und Gott anbeten kann auf ſeine Weiſe. Denn die Anbetung Gottes, das allein kann doch der Zweck aller Kirchen ſein, aller dieſer verſchiedenen Dogmen, welche eine die andere be⸗ fehden, und ihre Thüren ſchließen, wenn ein anders Denkender ihnen naht. Ich aber will alle ihre Kir⸗ chenthüren öffnen und die reine, freid Gottesluft durch alle ihre verdumpften Häuſer ziehen laſſen. Einen Tempel will ich bauen, einen großen, unermeßlichen Tempel, ein zweites Pantheon, eine Kirche, welche in ſich alle Kirchen umfaßt und in welcher jeder Religion ihr Altar und jedem Cultus ſeine Religionsübung ge⸗ ſtattet ſei. Gott anbeten wollen ſie Alle, mögen ſie Hes Jeder auf ſeine Weiſe thun! Siehſt Du, ſie reden Alle ſo viel von Brüderlichkeit und zerfleiſchen ſich doch untereinander. Laß mich mein Pantheon bauen, dann werden die Menſchen in Wahrheit Brüder wer⸗ den, der Jude und der ſogenannte Heide, der Muha⸗ medaner und der Perſer, der Calpiniſt und der Ka⸗ tholik, der Lutheraner und der Reformirte, ſie Alle werden kommen in mein Pantheon, um Gott anzu⸗ beten, und allgemach werden alle Formeln und alle
Dogmen von ihnen abfallen, ſie werden Alle glauben
an Einen Gott und die Kirchen aller dieſer verſchie⸗ denen Secten werden leer ſtehen und zuſammenfallen.*)
⁵) Ueber den Plan des Königs, ein Pantheon für alle Reli⸗ gionen zu bauen, berichtet Thiébault in ſeinen Souvenirs de 1 vingt ans. Vol. V. p. 220.


