Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 1. Band (1857)
Entstehung
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ein wenig auszutreiben. Ich halte das in der That für einen Haupttheil meiner Sendung und bin über⸗ zeugt, daß Gott mich zu einem umgekehrten Meſſias beſtimmt hat, nämlich zu einem Meſſias, welcher be⸗

rufen iſt, die Kirche, dieſes ſtolze und eitle Machwerk

heuchleriſcher Prieſter, umzuſtürzen und die reine un⸗ getrübte Gottesverehrung an ihre Stelle zu ſetzen.

Ja, wenn die Menſchen den klaren Geiſt eines Friedrich hätten! rief Jordan achſelzuckend. Wenn ihr Auge wäre, wie das meines königlichen Adlers, dem es gegeben iſt, gerade und feſt in die Sonne zu ſchauen, ohne ſich davon geblendet zu fühlen! Aber, Sire, die übrigen Menſchen gleichen Ihnen ſo wenig! Sie ſind Alle wie die ernſten ſteifen Nachteulen und müſſen wie dieſe eine zweite Hornhaut über ihre Augen ziehen, weil ſie ſonſt erblinden könnten. Eine ſolche zweite Hornhaut iſt für die menſchlichen Nachteulen die Kirche oder vielmehr die Kirchen, denn der Ehrgeiz und die Schlauheit dieſer Prieſter hat ſich nicht mit Einer Kirche begnügen laſſen, ſondern deren jetzt ſchon viere geſchaffen.

Und damit Drachenzähne geſäet, welche als blut⸗ dürſtige Krieger aufgegangen ſind, die ſich und die ganze Menſchheit zerfleiſchen! rief der König heftig. Höre, Jordan, wir ſind da gleich auf ein Thema ge⸗ kommen, welches mich, wie Du weißt, immer am meiſten beſchäftigt und am häufigſten mein Nachdenken in Anſpruch nimmt. Und gerade in dieſen Angelegen⸗ heiten wollte ich heute Deinen Rath beanſpruchen. Komm alſo, Freund, ſetzen wir uns, und höre was ich Dir zu ſagen habe. Du weißt, die Frommen und die Prieſter verläſtern mich als einen Gottesläugner, weil ich nicht denke wie ſie, und nicht glaube wie ſie. Wer aber von Ihnen hat nun den rechten Glauben?