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Fenſter geöffnet und ſpielt auf der Flöte, wie er das alle Morgen zu thun pflegt. Dieſes morgendliche Flötenſpiel iſt für mich immer der Barometer ſeiner Stimmung und ich weiß daran immer zu beurtheilen, was für Wetter wir heute haben werden und ob es heiter oder ſtürmiſch ſein wird! Treten wir alſo an's Fenſter und horchen wir ein wenig!
Thun wir das! ſagte Pöllnitz, indem er ſich mit jugendlicher Elaſtizität von ſeinem Divan erhob und Fredersdorf zu dem offenen Fenſter folgte. Horchen wir!„ Und Beide an die Brüſtung des Fenſters gelehnt, horchten ſie mit angehaltenem Athem dieſer Muſik, welche da von den obern Fenſtern zu ihnen hernieder ſäuſelte, und zugleich mit dem Duft der Orangen und der erquickenden Sommerluft in dieſes Gemach ein⸗ drang, in welchem die beiden Höflinge ſich befanden und jeden Ton dieſer Muſik belauerten, wie etwa die Katze jedes frohe Aufjauchzen des unſchuldigen Vogels belauert und bewacht, um den Moment zu erſpähen, wo ſie ihn verſchlingen kann.
Es war ein Adagio, welches der König auf ſeiner Flöte ſpielte, und in deſſen Vortrag er bekanntlich Meiſter war. Leiſe zitternd wie in unendlicher Weh⸗ muth, bald ſchluchzend und klagend, bald aufjauchzend in ſchmerzlicher Seligkeit, dann wieder ſeufzend und weinend, rieſelten dieſe Töne wie koſtbare Perlen oder wie durchſichtige Thräuen durch die balſamiſche Som⸗ merluft, und ſelbſt die Vögel in den duftigen Ge⸗ büſchen und der Wind, welcher in den Bäumen ge⸗ rauſcht, und die Wogen des Fluſſes, die mit leiſem Gemurmel an das Ufer geplätſchert kamen, die ganze Natur ſchien einen Augenblick ihren Athem anzuhal⸗ ten, um dieſer ſanſten ſchönen Muſik zu lauſchen, deren


