Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 1. Band (1857)
Entstehung
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einiger Jahre, und als Tintoretto bei der Hölle an⸗ gelangt war, da hatte ſich Vieles geändert, ſogar das Herz der ſchönen Cinnia, welche den Papſt Adrian um einen Fürſten Colonna verlaſſen hatte. Der hei⸗ lige Vater, welcher, wie geſagt, nicht bloß Papſt ſon⸗ dern auch Mann war, haßte natürlich die Ungetreue und wollte Rache an ihr nehmen. Er befahl daher dem Tintoretto, die Cinnia noch einmal auf ſeinem Gemälde anzubringen, aber diesmal in der Hölle als verdammte und verurtheilte Sünderin.*) Ah, an dieſes Bild denke ich immer, wenn ich die Favoriten oder Favoritinnen der Fürſten betrachte und mich an ihrem Hochmuth und Stolz ergötze. Wenn ich ſie im Paradieſe ihrer Macht und Gunſt ſehe, ſo ſage ich zu mir ſelber: ich werde Euch bald auf dem glühenden Roſt der Ungnade braten ſehen und die Teufel der Schadenfreude und des Neides werden Euren Leib zerfleiſchen! Sehen Sie da, Fredersdorf, das iſt meine Antwort auf Ihre verwunderte Anfrage, ob ich in einem Jahr das Hofleben verlernt habe!

Und bei Gott, eine ſehr gründliche Antwort, welche wenigſtens zeigt, daß der Herr Baron Pöllnitz ſich in einem Jahr durchaus nicht verändert hat, ſondern im⸗ mer noch der erfahrene Weltmann, der weiſe Cavalier geblieben iſt! 8 4

Herr Baron von Pöllnitz! Warum geben Sie mir nicht meinen Titel? Warum nennen Sie mich nicht Oberkammerherr?

Nun, weil Sie nicht mehr im Dienſt des Königs

ſind, ſondern Ihre Entlaſſung genommen haben! Gott gebe, daß Biche mir gnädig iſt; dann wird

der König, hoffe ich, dieſe genommene Entlaſſung ver⸗

*) Hiſtoriſch.