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von Rußland traf ich einſt einen Soldaten, der vor der Thür der Kaiſerin auf Wache ſtand und ſein Gewehr prä⸗ ſentirte, als ich am Arm des Oberſten Tſcherbatow, ihres damaligen Lieblings, zur Kaiſerin ging. Nun denn, acht Wochen ſpäter war dieſer Soldat General und Fürſt, und Tſcherbatow mußte ihm die militairiſchen Ehren erzeigen.— In Venedig ſah ich ein Gemälde von Tintoretto, das jüngſte Gericht oder das Para⸗ dies und die Hölle darſtellend. Im Paradies bemerkte ich ein wunderſchönes, von Schönheit, Jugend und Uep⸗ pigkeit ſtrahlendes, von Engeln umflattertes Weib, das in ſeliger Verzückung auf einem Blumenlager ruhte. Aber da drunten auf der untern Hälſte des Bildes in der Hölle ſah ich dieſelbe Frau noch einmal, nur daß ſie nicht auf Roſen, ſondern auf einem glühenden Roſt lag, und daß keine Engel ſie umgaben, ſondern grin⸗ ſende, verzerrte Teufel, welche mit glühenden Zangen ihren ſchönen Leib zerfleiſchten. Papſt Adrian VI. hatte dies Gemälde bei Tintoretto beſtellt und dabei aus⸗ drücklich befohlen, daß der ſchönen Cinnia im Para⸗ dieſe ein Denkmal geſetzt und ſie darin verherrlicht werde. Cinnia nämlich war eine ſehr liebe Freundin Adrians, welcher Stunden hatte, wo er nicht bloß Papſt, ſondern außerdem noch Mann war, und zwar ein Mann, welcher an der Schönheit Wohlgefallen fand. Cinnia war ſehr ſchön und es war daher Tin⸗ toretto's erſtes Geſchäft, Cinnia's Bild zu malen und ſie zum Mittelpunkte des Paradieſes zu machen. Aber ſehen Sie, zum Unglück war das jüngſte Gericht Tin⸗
toretto's ein ſehr großes Gemälde, ſo groß daß man
heutiges Tages, um die Köpfe auf demſelben zu zäh⸗ len, ſich eines Cannevas bedient, und die in jedem Vier⸗
eck enthaltenen Köpfe aufzeichnet, um dann das Ganze
zu addiren. Ein ſolches Bild zu malen, bedurfte es Mühlbach, Berlin u. Sansſonci ꝛc. I. 2


