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Und die Königin Mutter? Auch ſie hat keinen Ein⸗ fluß? d 5
Mein Gott, Herr Baron, wie lange waren Sie denn fort von hier, daß Sie Fragen an mich richten, als wären Sie eben unmittelbar vom Monde her⸗ untergefallen und wüßten gar nicht mehr, wie es an unſerm Hofe ausſieht!
Lieber Freund, ich war ein ganzes Jahr von hier entfernt, das heißt, eine Ewigkeit! Denn der Hof iſt ein ſehr ſchlüpfriger Boden, und wenn man nicht zu jeder Stunde auf dieſer parquettirten Spiegelglätte ge⸗ gangen iſt, ſo kann man ſehr leicht fallen, das iſt gewiß. Auch iſt nichts veränderlicher, wie das Hof⸗ leben, und was heute wahr geweſen, das iſt morgen oftmals ſchon eine große Lüge, und was man geſtern ſchön fand, wird heute als abſchreckend häßlich bei⸗ ſeit geſchoben, und was man heute verachtete, das preiſt man morgen als ein erhabenes Kleinod. Oh, ich habe darüber meine Erfahrungen! Ich entſinne mich, daß während meines Aufenthaltes am ſächſiſchen Hof ich einmal ein Gedicht, eine Hymne an Aurora von Königsmark dichtete, und zwar auf beſonderen Befehl des Königs, der dieſe Hymne von Haſſe wollte componiren und von ſeinen italieniſchen Sängern am Geburtsfeſte der Aurora wollte ſingen laſſen. Nun, meine Hymne war noch nicht ganz beendigt, da war die Gräfin Aurora ſchon verſtoßen und die ſchöne Gräfin Koſel hatte ihre Stelle eingenommen. Ich voll⸗ endete indeſſen meine Hymne, nur daß ich ſtatt der Aurora eine Amalia beſang; Haſſe componirte die Hymne, und als die italieniſchen Sänger ſie dann zum Namenstag der Gräfin Koſel ſangen, ahnte Niemand, daß dieſe Feſteantate eigentlich für die Gräfin Königsmark beſtimmt geweſen!— Am Hofe der Kaiſerin Eliſabeth


