Teil eines Werkes 
3. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

234

liebt er, gleich Dir, das Schauſpiel, an den Abenden müſſen ſie vor ihm ihre luſtigen Poſſen aufführen.*) Der Chan bittet Dich, ſeinen Sängern und Mu⸗ ſikern zu erlauben, vor Dir zu ſingen, ſeinen Tän⸗ zern, vor Dir zu tanzen. Wird Euer Majeſtät ſeiner Bitte Gewährung verleihen?

Ich bin bereit zu hören und zu ſehen, ſagte der König. Sofort eröffnete ſich auf einen Wink Mu⸗ ſtapha's der im Zelt angebrachte Vorhang, und vier Mädchen in leichten, durchſichtigen Gewändern, ſchön und lieblich von Angeſicht, mit Augen, leuchtend wie Flammen, mit Lippen, glühend wie Purpur⸗ roſen, ſchwebten hervor, und führten zum Klange der Mandoline grazieuſe, menuettartige Tänze auf.

Nachdem ſie dieſe geendet, kauerten ſie ſich ſtill neben dem Vorhang nieder, und ſchauten mit großen, ſtaunenden Blicken hinüber nach den preußiſchen Kriegern.

Sodann traten hinter dem Vorhang vier Jüng⸗ linge hervor und ſetzten ſich den Mädchen gegen⸗ über. Die Muſik hinter dem Vorhang ſtimmte eine neue zarte Weiſe an, und nun begann der Wechſel⸗ geſang der Mädchen und Jünglinge. Zuerſt ſang der Vorſänger jeden Vers des Liedes, und dann wiederholten ihn Alle im Chor, den Geſang mit Händeklatſchen und allerlei ſchaukelnden Bewegungen des Körpers begleitend. Dann erhoben ſich zwei der Mädchen, und den zurückgeworfenen Haupt⸗ ſchleier über ihr Antlitz ziehend, ſo daß nur die flammenden Augen ſichthar blieben, ſchwebten ſie leiſe bis an das Ende des Zeltes, und tanzten dann

Decb mmer Geſchichte des Osmaniſchen Reiches. Bd. 8.