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Er öffnete den Brief und überflog ihn mit hei⸗ ßen, ungeduldigen Blicken. Das iſt indeſſen ein ziemlich lakoniſches und räthſelhaftes Schreiben, ſagte er dann. Mein Bruder verweiſt mich ganz an Sie, und indem er mir ſchwört, daß ich Ihrer Dis⸗ cretion und Verſchwiegenheit gewiß ſein kann, bittet er mich, Ihnen zu vertrauen, und Ihnen beizuſtehen
zur Erreichung Ihres Ziels. Signor, wollen Sie
mir alſo ſagen, womit ich Ihnen dienen kann, und worin das Ziel beſteht, welches Sie erreichen wollen?
Zuvörderſt will ich Euer Hochwürden den Be⸗ weis geben, daß ich Ihnen vollkommen und unbe⸗ dingt vertraue, indem ich Ihnen ſage, wer ich bin, und welches meine Ziele ſind. Euer Hochwürden
werden dann ſelber ermeſſen und beſtimmen, inwie⸗
fern Sie mir Ihren Rath und Ihre Hülfe wollen angedeihen laſſen
Laſſen Sie uns hier in dieſe Fenſterniſche treten, ſagte der Prior, dort finden wir Seſſel, und ſind ſicher, nicht gehört zu ſein.
Er ſchritt voran zu der tiefen Fenſterniſche des hohen Bogenfenſters, und deutete dem Fremden an, ihm gegenüber in dem lederbezogenen Lehnſtuhl mit den kunſtvoll in Holz geſchnitzten Seitenlehnen Platz zu nehmen.
Jetzt, Signor, bin ich bereit, Sie anzuhören, ſagte er.
Der Fremde verneigte ſich. Zuerſt muß ich Euer Hochwürden um Verzeihung bitten, daß ich
es gewagt habe, Sie zu hintergehen. Ich bin kein
Kaufmann und handle nicht mit Reliauien, ſondern
ich bin ein Soldat, heiße von Cocceji und habe die
Ehre, der Flügeladjutant des Königs von Preußen
zu ſein. Mein königlicher Herr hat mich mit einer- Friedr. d. Gr. u. ſ. Geſchw. 2. Abth. II. 3


