Teil eines Werkes 
3. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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die Thür geöffnet, und der Pater Guardian fragte, ob er eintreten dürfe.

Der Prior erröthete leicht und trat von dem Tiſch zurück, während das ſcharfe und ſtechende Auge des Paters rings im Zimmer umherflog und mit ſarkaſtiſchem Ausdruck auf dem Tiſch mit den Charten verweilte.

Sie ſind willkommen, Bruder Theodor, ſagte der Prior mit einem leiſen Neigen des Hauptes.

Doch ſtöre ich Euer Hochwürden in Ihrer Lieb⸗ lingsbeſchäftigung, ſagte der Pater Guardian ſcharf, indem er auf die Charten deutete. Euer Hoch⸗ würden überlegten eben die mißliche Stellung des Ketzerkönigs, den Gott, wie es ſcheint, jetzt bald in den Staud ſchleudern und zu den Füßen der trium⸗ phirenden Kirche zerſchmettert niederfallen laſſen wird.

Dieſe Entſcheidung müſſen wir allerdings Gott überlaſſen, ſagte der Prior ſanft. Er hat dem Kö⸗ nig von Preußen indeſſen ſchon ſo oft und ſo ſehr ſeinen Beiſtand verliehen, daß ich nicht weiß, ob man ſeines Unterliegens ſo ſicher ſein darf!

Der heilige Vater zu Rom hat die Waffen ſei⸗ ner Gegner geſegnet, und folglich werden ſie trium⸗ phiren! rief Pater Theodor ſalbungsvoll. Aber ver⸗ zeihen mir Euer Hochwürden! Ich vergaß, was mich hergeführt. Ein Fremder wünſcht den Herrn Prior unſeres Kloſters zu ſprechen. Er hat ſeltene und ſchöne Reliquien zu verkaufen, die er indeſſen, wie er mir ſagte, nur Euer Hochwürden ſelber zeigen will.

Unſere Kirche iſt reich genug an Reliquien, rief der Prior kopfſchüttelnd.

Und Euer Hochwürden legen keinen beſonderen Werth auf dieſelben, bemerkte der Pater Guardian