Teil eines Werkes 
3. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

bäuſer zu nennen, die mir einige meiner ſchönen Fächer abkaufen könnten. Aber es müſſen gute Pruſſiani ſein, wie Sie gleich ſehen werden.

Er trat zu einem der Koffer hin, ſchloß ihn auf und nahm aus demſelben ein Etui, in welchem mehrere Fächer ſich befanden.

Sehen Sie da, mein Herr, ſagte er, dieſe Fächer ſah ich in Genf, und da ich mir dachte, daß man vielleicht in Italien ein gutes Geſchäft damit machen könnte, kaufte ich einige Dutzend davon. Sehen Sie nur dieſe ſchöne und ſinnige Malerei!

Er ſchlug den Fächer auseinander. Auf dem⸗ ſelben befand ſich auf weißem Atlas, ziemlich kunſt⸗ voll gemalt, ein großer preußiſcher Adler, im Be⸗ griff eine weiße Lilie zu verzehren.

Der Wirth klatſchte entzückt in die Hände. Deli- cioso! rief er lachend. Der preußiſche Adler, welcher die franzöſiſche Lilie verſpeiſt! Das iſt eine köſtliche Propbezeihung, eine wundervolle Satyre. Und dieſe Fächer haben Sie in Genf gekauft? Man iſt alſo in Genf auch Pruſſiano?

Es giebt in Genf keine Dame, welche nicht einen ſolchen Fächer trüge, ſagte der Reiſende, und in Berlin kann man nicht preußiſcher ſein, als man es in Genf iſt.*)

Das freut mich, das freut mich wahrhaft, rief der Italiener enthuſiaſtiſch. Es wird noch dahin

*) Voltaire, der damals beimlich gegen Friedrich agitirte, wäh⸗ rend er zugleich doch in lebhaftem Briefwechſel mit dem König ſtand, ſchrieb bald nach der Schlacht von Maxen an den Kardinal Grafen von Bernis:Je ne suis pas comme les trois quarts des Allemands: j'ai vu partout des éventails l'on a peint l'aigle de Prusse, mangeant une fleur de lis. Mes nièces n'auront pas assurément de tels éventails. On est Prussien à Génève comme ailleurs, et plus qu'ailleurs.(Oeuvres complètes de Mr. de Voltaire. Vol. 85 p. 370.)