—
——
— 195—
ein, und ihre Heiterkeit ſteigerte ſich immer mehr. Mit glühenden Geſichtern ſaßen ſie um den Tiſch, und hörten ihrem angebeteten Feldherrn zu, der ihnen in harmloſer Fröhlichkeit einige luſtige Scenen aus ſeiner Jugend erzählte, und ſeine Zuhörer ſo laut und entzückt lachen machte, daß die Wände dröhnten, und daß Fritz Kober, welcher da draußen im Ge⸗ nüſch kauerte, nicht umhin konnte ein wenig mit zu achen.
dumer ſtürmiſcher, immer ungebundener ward jetzt die Heiterkeit der Ruſſen. Sie träumten ſich zurück in ihre Heimath, hier und dort fing einer der weinſeligen Herren an, irgend ein ruſſiſches Lieb⸗ lingsliedchen zu ſingen, und die Koſacken, welche an der Thür kauerten, grinzten vor Vergnügen, wie ſie das hörten und ſummten leiſe das Refrain nach. Der Wein begann ſchon ſeine Freiheits⸗ und Gleich⸗ heitsprincipien auf die Gemüther auszuüben, und die Unterſchiede des Ranges und der Stellung auf⸗ zuheben. Aller Geſichter ſtrahlten vor Vergnügen, Jedermann lachte und ſcherzte, trank und ſang, und Niemand gedachte jetzt noch des Königs von Preu⸗ ßen und ſeiner zerſprengten Armee. Man erinnerte ſich nur noch des Sieges, den man erfochten, aber bei dem köſtlich duftenden Wein vergaß man des Beſiegten.*) 3
Nur Montalembert und Loudon nahmen nicht Theil an der allgemeinen Fröhlichkeit. Sie hatten ſich bald von dem Tiſch mit ſeinem fröhlichen Ge⸗
lage zurückgezogen, und ſtanden jetzt, die wildbewegte Gruppe vor ihnen betrachtend, zuſammen an einem der geöffneten Fenſter. Es iſt vergeblich, flüſterte
*) Siehe: Preuß. Friedrich der Große. Th. II. S. 217.— Gebhard Vertheidignng Friedrichs d. Gr. S. 73.
13*


