— 192—
untereinander zankt, und nicht mehr wißt, wo aus noch ein, dann entſinnt Ihr Euch plötzlich, daß der Ruſſe Euer Nachbar iſt, und daß er eine gute Klinge führt, und tapfer einzuhauen verſteht; dann ruft Ihr ihn zu Hülfe, und bietet ihm Euere Freund⸗ ſchaft an, das heißt aber immer nur auf ſo lange, bis Ihr Euere anderen Feindſchaften beendet habt, und unſerer nicht mehr bedürft. Aber ſelbſt, wäh⸗ rend Ihr uns Euere Freunde nennt, mißtraut Ihr uns, und beargwöhnt unſeren guten Willen. Führt man in Wien nicht beſtändig Klagen über uns? Apraxin ſchmachtet in Ketten und Banden, weil Oeſterreich ihn des Verrathes und des ſchlechten Dienſteifers anklagt; auch über Fermor und Buttur⸗ lin hat man von Wien aus große Klage geführt, und vor unſerer Kaiſerin bald ihren guten Willen, bald ihre Fähigkeiten zu verdächtigen geſucht, und ihnen Verweiſe zugezogen, die ſie wahrlich nicht ver⸗ dient hatten. Auch über mich, ich weiß es, hat man ſich bereits beſchwert, und mich der Unthätig⸗ keit, der Abneigung, die Bundesgenoſſen zu unter⸗ ſtützen, und überhaupt eines geringen Eifers für die gemeinſchaftliche Sache angeklagt. Das macht uns böſes Blut, Ihr Herren, und hättet Ihr nicht einen ſo vortrefflichen Wein in Euerem ſchönen Deutſch⸗ land, ſo könnte unſere Freundſchaft ſich wahrlich nicht lange geſund und kräftig auf den Füßen er⸗ halten. Deshalb, Herr General, nehmen Sie Ihren Becher, und laſſen Sie uns zuſammen trinken von Ihrem ſchönen deutſchen Wein, auf das Wohl un⸗ ſerer Freundſchaft! Stoßen Sie Alle mit an, meine Herren, und damit der Herr General ſieht, daß wir es ehrlich meinen mit unſerem Toaſt, leeren Sie Ihre Becher auf einen Zug!


