Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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während Daun immer abwartet, immer ſäumig iſt, immer nachdenkt, ob er zuſchlagen ſoll, und darüber die Gelegenheit, es zu thun, vorübergehen läßt.

Die Kaiſerin, meine erhabene Gebieterin, hat ihn indeſſen mit ihrem beſonderen Zutrauen beehrt, ſagte Loudon leiſe, und alſo wird er es auch wohl ver⸗ dienen.

Ja, und Sie und uns hat man in Wien mit beſonderem Mißtrauen beehrt, rief Soltikow ſtür⸗ miſch, indem er einen Becher voll Wein hinunter⸗ ſtürzte. Ihnen, ich weiß es, ſpendet man nur ſel⸗ tenes und kärgliches Lob, denn man muß Alles für Daun reſerviren, und uns betrachtet man immer mit feindlichen, ſcheelen Blicken, und iſt immer be⸗ müht, uns zu verdächtigen, und unſeren Eifer und unſeren guten Willen anzuklagen.

Es iſt wahr, ſagte Loudon lächelnd, es wird uns immer ſchwer, an die Aufrichtigkeit der ruſſiſchen Freundſchaft zu glauben, vielleicht aber nur deshalb, weil wir dieſelbe ſo ſehr wünſchen und erſehnen.

Worte, ſchöne Worte, rief Soltikow hitzig. Der Deutſche hat immer ein heimliches Grauen vor dem Ruſſen, und es iſt Euch immer zu Muth, als wären wir verkleidete Tigerkatzen, die jeden Augenblick be⸗ reit wären, Euch Euere herrliche Cultur und Euere feine Bildung zu rauben, und aufzufreſſen. Des⸗ halb möchtet Ihr gern immer eine Glasglocke drüber ſtülpen, wenn wir in Euerer Nähe ſind, und uns Euere Herrlichkeit immer nur hinter einer durchſichtigen Mauer zeigen, damit wir Euch bewundern und be⸗ neiden ſollen. Wenn Ihr in Frieden und in ſchön⸗ ſter Eintracht lebt, da vermeidet Ihr uns, da dünkt ſich der Deutſche viel zu fein gebildet, und zu hoch ür den barbariſchen Ruſſen, aber wenn Ihr Euch