— 167—
fühlte er das Wehen des Nachtwindes, der koſend mit ſeinem Haar ſpielte und auf ſeine Stirn gleich⸗ ſam den erſten Gruß und Kuß des wiedergeſchenkten Lebens preßte!— Der König konnte nicht ſatt wer⸗ den dies Alles zu betrachten, es war ihm, als ob er plötzlich einen theueren Freund, den er lange für todt gehalten, wieder lebensvoll und blühend vor ſich ſtehen ſähe, als ob er ihm die Arme entgegenbreiten und zu ihm ſagen müßte, ſei mir willkommen, Du Wiedergefundener! Das Schickſal hat uns getrennt. Jetzt, da wir uns wiedergefunden haben, jetzt wollen wir einander nimmer verlaſſen, ſondern unſere Hände ineinanderlegen und treu zu einander halten in Noth und Tod, in Glück und Unglück!
Ja, das Leben war dieſer wiedergefundene Freund, der dem König gegenüberſtand, und jetzt erſt fühlte er, wie ſehr er ihn geliebt. In einer Art fieberhafter Extaſe die Arme gen Himmel erhoben, flüſterte der König: Ich ſchwöre, nur dann den Tod zu ſuchen, wenn es kein Mittel, kein einziges mehr giebt, der ſicheren Gefangenſchaft zu entfliehen! Ich ſchwöre, zu leben und zu leiden, ſo lange ich meiner Perſon die Freiheit bewahren kann!
Wie er dann die Arme ſinken ließ, athmete er hoch auf und ein köſtliches Wohlgefühl durchzog ſeine Bruſt. Es war ihm als ſeien die Bande, welche ihn feſſelten, von ihm abgefallen. Er hatte den Harniſch des Lebens wieder angelegt, er war wieder bereit als muthiger Streiter zu kämpfen.


