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Nachdem der König auch dieſen Brief adreſſirt und geſiegelt, ſagte er leiſe: Ich bin zu Ende! Die irdiſchen Geſchäfte ſind abgethan! Jetzt ſtehe i am Ende meiner Leiden, und darf endlich Anſpru machen auf dieſen langen und tiefen Schlaf, den die Natur uns Allen an ihrem Buſen gewährt! Ich habe genug gethan, genug gelitten, und wenn ich jetzt nach ſo viel Stürmen auch ein wenig auf meine Ruhe bedacht bin, und mit meinem Unglück mich in's Grab zurückziehen will, ſo darf doch Niemand ſagen, daß ich feig und muthlos dem Leben entflo⸗ hen bin. Nein, das Leben hat ſich mit ſeiner gan⸗ zen Laſt auf mich Hewalse und mich ſo hinabgedrückt in die Erde, welche zu meinen Füßen auseinander⸗ ſpaltend ſich zu einem Grab geöffnet hat! Ich habe lange gehofft, ach, und wie lange ſchon hat der Stern des Glückes ſich mir verdunkelt, wie lange habe ich nur trauervolle Tage und Nächte gekannt! Wie lange hat mir der anbrechende Morgen immer nur neue Wolken und neues Unheil gebracht! Ich habe es muthig ertragen, weil ich dachte, auch das Unglück muß ſich erſchöpfen, die Stürme müßten endlich austoben, und ein wolkenloſer Morgen müßte endlich mir ſtrahlen. Ich habe mich bitter getäuſcht, und meine Leiden ſind immer noch gewachſen! Jetzt iſt das Schlimmſte geſchehen, mein Vaterland iſt verloren! Wer kann ſagen, daß ich dieſen Verluſt überleben muß!*) Zu rechter Zeit zu ſterben, iſt
*) Du bonheur de l'état la source s'est tarie;
La palme a disparu, les lauriers sont fanés.
Mon ame de soupirs et de larmes nourrie,
De tant de pertes attendrie,
Pourra-t-elle survivre aux jours infortunés
Qui sont prèͤs d'éclairer la fin de ma patrie? Epitre de Frèderic au Marquis d'Argens. Oeuvres Vol. VII. p. 179.


