Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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ren, und in ihrem Haar glänzte es hier und dort wie ein Silberfaden.

Madame du Trouſſel ſeufzte. Man hat mich zu früh verheirathet, ſagte ſie, und zudem war ich un⸗ glücklich verheirathet. Und dann bin ich mit acht⸗ zehn Jahren ſchon Mutter geweſen. Das Alles macht alt, und es ſind nicht die Jahre, ſondern die Stürme des Lebens, welche dieſe fürchterlichen Linien durch mein Antlitz gezogen. Und dann, wie ſoll man noch Intereſſe für mich haben können, wenn man neben mir eine faſt erwachſene Tochter ſieht. Ah, es iſt wirklich empörend, noch nicht vierund⸗ dreißig Jahre alt zu ſein und neben ſich eine faſt heirathsfähige Tochter zu haben, welche bald mit mir um die Huldigungen der Männer ſtreiten und meine Nebenbuhlerin ſein kann. Oh, mein Gott, mein Gott, es kann ein Tag kommen, an welchem ich eiferſüchtig auf meine eigene Tochter bin. Ver⸗ hüte das, mein Himmel! Gieb, daß ich mich immer ihrer aufblühenden Schönheit ohne Groll freue, gieb, daß ich Camilla's Glück höher halte, als meine Eitelkeit!

. Und gleichſam, als wolle ſie ſich in dieſen guten Vorſätzen ſtärken, verließ Luiſe du Trouſſel ihr Ge⸗ mach und eilte in das Zimmer ihrer Tochter.

Camilla lag auf dem Divan. Ihre ſchlanke, wundervoll gebaute Geſtalt war von einem faltigen weißen Gewande umfloſſen, ihr ſchwarzes Haar floß in langen Locken an beiden Seiten ihres roſigen Antlitzes nieder, und ringelte ſich ſchlangengleich über dieſe vollen entblößten Schultern, mit deren Weiße es noch ſtärker contraſtirte. Camilla war damit beſchäftigt, zu leſen, und ſo ganz war ſie mit ihrer