Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Lectüre beſchäftigt, daß ſie gar nicht gehört hatte wie ihre Mutter eingetreten war.

Luiſe du Trouſſel näherte ſich leiſe dem Divan und ſtand dann, gleichſam in Bewunderung verlo⸗ ren, ſtill, um dieſes ſchöne und liebliche Bild, dieſe ruhende Hebe mit Muße zu betrachten.

Camilla, fragte ſie dann mit zärtlichem Ton, was lieſt Du denn ſo eifrig?

Camilla ſchrak zuſammen und blickte raſch em⸗ por. Dann lachte ſie laut auf. Ach, Mama, ſagte ſie mit ihrer ſilberhellen weichen Stimme, wie Du mich erſchreckt haſt. Ich glaubte wirklich, meine Tyrannin von Gouvernante ſei ſchon wieder heim⸗ gekehrt von ihrer Promenade, und ſie wäre es, welche mich hier bei dieſer Lectüre überraſchte.

Ohne Zweifel hatte ſie Dir dieſelbe verboten? fragte ihre Mutter ſtrenge, indem ſie die Hand nach denß Buch ausſtreckte. Aber Camilla entzog es ihr

aſtig.

Ja, gewiß, ſagte ſie, hat mir Mademoiſelle Brunon verboten, dies Buch zu leſen, aber das iſt doch kein Grund, Mama, daß Du deshalb es mir fortnimmſt. Du wirſt doch hoffentlich nicht auch die ſtrenge Tyrannin gegen Deine arme Camilla ſpielen?

Aber ich will nur wiſſen, was Du lieſeſt, Ca⸗ milla?

Nun, Voltaire's Pucelle d'Orleans, und ich verſichere Dich, Mama, es gefällt mir außeror⸗ dentlich.

. Mademoiſelle Brunon hat ganz Recht, dieſe Lectüre zu verbieten, rief Madame du Trouſſel haſtig,

und ich verbiete Dir dieſelbe auch!

Und wenn ich nicht gehorche, Mama?