Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Als Ranuzi aber dann, nach langem, ſüßen Bei⸗ ſammenſein, aufbrach und ihr Lebewohl ſagte, hielt ſie ihn zurück. Ihre beiden Hände auf ſeine Schul⸗ tern legend, ſchaute ſie ihm mit einem ſeltſamen Ausdruck halb lächelnd und halb drohend in's Ge⸗ ſicht..

Noch ein letztes Wort, Carlo, ſagte ſie. Ich liebe Dich grenzenlos. Um Dir meine Liebe zu beweiſen, werde ich jetzt zur Verrätherin werden an dieſem König, welcher mir ſtets ein gütiger Herr geweſen, deſſen Brot ich eſſe, und der mich erhält und ernährt. Um Dir meine Liebe zu beweiſen, werde ich zur Spionin und Kundſchafterin. Die Menſchen ſagen, das ſei ein ehrloſes Handwerk, aber ich fühle mich ſtolz und glücklich, es für Dich übernehmen zu können, und nicht für alle Schätze und Reichthümer der Welt würde ich Dich verrathen. Aber, Carlo, wenn Du einſt aufhören könnteſt, mich zu lieben, wenn Du mich täuſchen, mir untreu wer⸗ den und mich verrathen könnteſt, dann, ſo wahr mir Gott helfe, dann verrathe ich Dich und mich!—

Und ich glaube wahrhaftig, ſie wär's im Stande, murmelte Ranuzi, als er Marietta verlaſſen und die Straße erreicht hatte. Sie iſt ein gefährliches Weib, und hat in ihrer Liebe, wie in ihrem Haß wirklich etwas von einer Tigerin an ſich. Ich werde alſo mit ihr ſehr auf meiner Hut ſein müſſen, und wenn ſie wüthend wird, ihr entweder die Zähne ausreißen, daß ſie nicht beißen kann, oder vor ihrem wüthenden Anſpringen entfliehen. Doch, das iſt noch lange hin. Die Hauptſache iſt, daß ich mir den Weg zu einer Correſpondenz nach Wien eröffnet habe, und daß das für meine Pläne ein ungeheurer